Grenze zur Türkei: Druck auf Transportfirmen wächst – zerstochene Reifen und Drohungen die Folge

Animals’ Angels kontrolliert mit zwei Teams Tiertransporte an der bulgarisch-türkischen Grenze. Wir folgen einem Tiertransporter mit Bullenkälbern aus Tschechien über die EU-Außengrenze. Wir sprechen mit dem Fahrer und dürfen die Tiere anschauen. Die kleinen Bullen werden für die Wartezeit auf die türkischen Papiere abgeladen. Sie stürzen sich auf das Wasser, um ihren extremen Durst zu stillen. Nach fünf Stunden Wartezeit startet der Transport Richtung Ankara. Das Ziel ist ein Maststall. Dort sollen die Bullen noch einige Woche gemästet werden, bevor sie ein grausames Ende in einem türkischen Schlachthof erwartet.

Wir folgen dem Transport mit großen Abstand. Wie lange müssen die Tiere noch auf dem Transporter ausharren? Wohin werden die jungen Bullen gebracht? Werden die geltenden EU-Vorschriften auch über die Grenzen hinaus eingehalten, so wie es vorgeschrieben ist? Diese Fragen zu beantworten ist ein wichtiger Teil unserer Arbeit.

Nach einigen Stunden bemerkt der Fahrer unsere Anwesenheit und sucht das Gespräch. Wir erklären ihm, dass wir bei den Tieren sein wollen. Er schaut uns verständnislos an, aber ist freundlich. Doch mitten in der Nacht kippt plötzlich die Stimmung. Der Fahrer hält an, kommt zu unserem Auto und sticht ohne Vorwarnung mehrmals auf unsere Reifen ein. Geschockt fahren wir schnell los. Einen Kilometer weiter kontrollieren wir die Reifen. Es ist nichts zu sehen. Aber das ganze Ausmaß der Tat wird am nächsten Tag sichtbar. Beide Reifen auf der linken Seite sind platt.

Die Reifen wurden unserem Team nicht zum ersten Mal aufgestochen, aber die Aggressivität des Fahrers hat uns erschreckt. Und in diesem Einsatz sollte es nicht bei einer Konfliktsituation mit Fahrern bleiben.

Mit neuen Reifen warten wir bei Istanbul auf einen Tiertransport, der einige Stunden zuvor die Grenze passiert hat. Wir finden und folgen dem ungarischen Transporter. Auch dieser hat junge Bullen aus Tschechien geladen. Insgesamt 12 Stunden bleiben wir an dem Transporter dran. Im Norden der Türkei stoppt der Fahrer und steigt aus. Er öffnet eine Klappe im Lkw und holt eine Mistgabel raus. Wir brauchen einen Moment, um die Situation zu begreifen. Mit erhobener Mistgabel kommt er schnellen Schrittes auf uns zu und beschimpft uns. Wir geben Gas.

Unser Fazit dieses Einsatzes: Der Druck auf die Transporteure und die Fahrer erhöht sich. Sie wissen, dass wir ihre Verstöße gegen die EU-Verordnung aufdecken und an die Öffentlichkeit bringen. Unsere Berichte an den Untersuchungsausschuss leisten einen wichtigen Beitrag zur aktuell laufenden Überarbeitung der Verordnung. Und deswegen lassen wir uns nicht unterkriegen!