Polen/Litauen: Absurde Transportwege und Hitze – französische Bullen von Litauen nach Griechenland transportiert

Animals‘ Angels kontrolliert Tiertransporte an der litauisch-polnischen Grenze. Wir trauen unseren Augen nicht, als wir ins Innere eines griechischen Lkw schauen: Auf zwei Decks blicken uns junge Bullen entgegen, deren Ohrmarken Frankreich als ihr Herkunftsland ausweisen! Was für ein Irrsinn – schießt es uns als Erstes durch den Kopf. Als junge Kälber wurden sie von Frankreich aus nach Litauen zur Mast transportiert. Jetzt geht es für sie mehr als 2.300 km weiter nach Griechenland. Dort werden sie weitergemästet und schließlich geschlachtet. Quer durch Europa in ihrem jungen Leben – immer dem Profit unterworfen.

Noch absurder wird das Ganze, wenn man sich überlegt, dass Litauen einer der großen Exporteure von jungen, nicht-abgesetzten Kälbern nach Südeuropa ist. Das „Problem“: Litauen hat einen Überschuss an sogenannten ‚Milch’kälbern, also von Milchrassen. Aber eben nicht von Kälbern, die von Fleischrassen abstammen. Deshalb werden die jungen Tierbabys mit nur wenigen Wochen durch ganz Europa gekarrt – entsprechend den Bedürfnissen des Marktes gehorchend.

Die Bedürfnisse der Tiere sind da (wenn überhaupt) nur zweitrangig. An der polnischen Grenze veranlassen wir eine Kontrolle durch die Straßenverkehrsinspektion. Der Lkw mit den französischen Jungbullen ist überladen. Die kräftigen Tiere stehen dicht aneinandergedrängt. Diejenigen, die sich hingelegt haben, laufen Gefahr, von den anderen Tieren getreten und verletzt zu werden. Der Bulle Maurice liegt bereits jetzt schon erschöpft auf der Seite. Der Fahrer treibt ihn mit Mühe wieder auf – durch den Platzmangel fällt es Maurice jedoch noch schwerer aufzustehen.

Unterwegs in Richtung Süden erwartet die Tiere große Hitze. Durch die hohe Ladedichte an Bord ist es unmöglich für die Tiere an die Wassertränken zu gelangen. Knapp eineinhalb Stunden nach dem Stopp durch die Polizei kommen drei Amtstierärzte an. Das Ergebnis der Untersuchung fällt ernüchternd aus. Weder schauen sie sich die einzelnen Tiere genauer an, noch werfen sie einen Blick ins obere Deck. Die Papiere seien in Ordnung, genauso wie die Ladedichte. Auch sehen sie kein Problem, dass nur ein Fahrer diesen langen Transport bis Griechenland durchführt. Der Lkw darf weiterfahren.

Laut Papieren hat der Lkw unterwegs mehrere Stopps mit Entladungen eingeplant. Später erfahren wir vom abfertigenden Tierarzt in Litauen, dass durch die Entladungen verhindert werden soll, dass die Tiere bei der größten Hitze transportiert werden. Unsere Forderung dazu: Die Tiere dürfen bei solch hohen Temperaturen gar nicht erst losgeschickt werden, schon gar nicht auf Langstrecke!

Für uns wird einmal mehr klar: Es braucht dringend strengere Gesetze! Die Temperaturvorgaben und Ladedichten müssen endlich zugunsten der Tiere ausgelegt werden. Und: Die Gesetze müssen effektiv durchgesetzt werden. Dafür braucht es dringend ausgebildetes und geschultes Personal in den Kontrollinstanzen!

Wir zeigen den Fall den zuständigen Behörden in Polen und Litauen an und fordern eine gründliche Aufarbeitung. Auf EU-Ebene machen wir uns für eine Revision der EU-Transportverordnung im Sinne der Tiere stark.