19.12.2014 | Federal Court spricht Animals' Angels "Standing" zu

Australien exportiert jedes Jahr etwa 2 Millionen Schafe unter fürchterlichen Bedingungen in arabische Länder, wo sie ohne Betäubung geschlachtet werden. Vor zwei Jahren hat Animals‘ Angels eine Klage gegen die staatlichen Kontrollbehörden eingereicht. Dabei ging es um gefälschte Zahlen von toten Tieren auf einem Schiff. Trotz solider Beweise wurde von den zuständigen Kontrolleuren nichts unternommen. In der ersten Instanz wurde unsere Klage abgewiesen. Außerdem wurde uns nicht das Recht zugestanden, für die Tiere gegen die Australische Regierung als Kläger aufzutreten.

Daraufhin haben wir Berufung beim Federal Court eingelegt. Dort urteilten die Richter, dass laut Gesetzestext die staatlichen Behörden in einem solchen Fall tätig werden "können", aber nicht "müssen". Das bedeutet, dass der Wortlaut des Gesetzes einen einfachen Ausweg aus der Verantwortung vorgibt (und deshalb – so meinen wir -  dringend geändert werden muss). Das von einem Gericht bestätigt zu bekommen, ist ein Erfolg, auch wenn wir den konkreten Fall verloren haben.

Wesentlich wichtiger ist jedoch, dass Animals‘ Angels vom Federal Court ein "Standing" zugesprochen wurde, also das Recht für die Tiere zu klagen. Damit ist nun ein Präzedenzfall vorhanden, der Tierschutz-Organisationen die Möglichkeit gibt, für die Tiere vor Gericht zu klagen, wenn  bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind. Im Angelsächsischen Recht haben Präzedenzfälle eine viel größere Bedeutung als in Deutschland. Daher ist  unser "Standing" ein Erfolg im Kampf für Tierrechte, dessen Tragweite noch gar nicht abzuschätzen ist.

Wieder hat Animals‘ Angels Pionierarbeit geleistet und etwas erreicht, das noch niemand in der Tierschutzwelt vorher überhaupt versucht hatte. Einsatzleiterin Dawn Lowe war über 10 Jahre lang bei den Tieren. Sie hat über eine Million Schafe persönlich gesehen, ihr Schicksal dokumentiert – und betrauert. Sie hat unzählige Briefe geschrieben, in Konferenzen verhandelt und in Fachgremien mitgearbeitet. Ihr Ruf für Seriosität, Fachkenntnis und Unbestechlichkeit ist überall in Australien bekannt, wo es um den Export von Tieren geht.

Das haben die Richter honoriert, indem sie Animals‘ Angels das "Standing" zuerkannten. Sechs Anwälte haben pro bono für uns, dh. für die Tiere gearbeitet. Und die Bezahlung der hohen Prozesskosten haben uns die Freunde von AA mit ihren Spenden ermöglicht. Unsere Geschäftsstelle hat mit einem enormen Aufwand unzählige Dokumente ins Englische übersetzen und beglaubigen lassen. Von Deutschland aus ein Gerichtsverfahren in Australien zu führen ist wahrlich nicht so einfach.