20.12.2015 | Stute 'Christmas'

Wir haben sie 'Christmas' genannt. In der Kleinstadt Calarasi haben wir sie zum ersten Mal am Straßenrand gesehen, eingespannt vor einer Kutsche. Ihr Anblick ist erbärmlich. Christmas ist auf einem Auge blind, abgemagert bis auf die Knochen, aus den Nüstern läuft ihr grünlicher Rotz, an der Fessel klafft eine offene Wunde. Ihr ‚Besitzer‘ ist stark angetrunken.

Wir folgen der Kutsche und Christmas bis zum Haus des Mannes. Er lebt alleine mit neun Kindern in verwahrlosten und ärmlichsten Verhältnissen neben einer Müllhalde. Wir sprechen ihn auf den Zustand von Christmas an, stoßen aber auf keinerlei Verständnis. Wir versprechen, zurück zu kommen und machen uns auf den Weg Medikamente und Futter für Christmas und etwas zu Essen für die Kindern zu besorgen. Dreimal kehren wir an diesem Nachmittag zu seinem Haus zurück, doch von dem Mann und Christmas fehlt jede Spur.

Am nächsten Tag versuchen wir es erneut. Nicht weit vom Haus des Mannes liegt ein totes Pferd inmitten des Mülls. Wir gehen langsam näher. Es ist Christmas. Sie ist völlig verdreckt und an ihrem After klafft eine große Wunde. Neben ihr liegen Bierflaschen, viele davon blutig und zerbrochen. Wir wissen nicht, wie Christmas gestorben ist und was ihr angetan wurde.

Alles was wir für sie tun können, ist ihr das zu enge Halfter auszuziehen, ihre Augen zu schließen und Kerzen für sie anzuzünden.

Wir hoffen, dass Christmas nun den Frieden findet, der ihr auf Erden verwehrt geblieben ist.

 

(Bei der Polizei erstatten wir Anzeige gegen den 'Besitzer' von Christmas und weisen die Behörden dabei auch auf die alarmierende häusliche Situation der neun Kinder des Mannes hin.)