Ägypten: Berichterstattung über den Kamelmarkt in Daraw

Kamelmarkt Daraw, Ägypten

„Es gibt ein Problem mit dem Fahrzeug. Wir müssen die Kamele auf den anderen LKW umladen“, antwortet der Fahrer genervt. Er hatte sicher andere Pläne, als er kurz zuvor mit seinem Kleinlaster und acht Kamelen an Bord das Marktgelände verlassen hatte. Jetzt hält er nur wenige hundert Meter vom Eingang entfernt. Ein leerer Pickup fährt rückwärts heran. Mehrere Männer diskutieren, wie sie nun die Kamele von einem LKW auf den anderen umladen sollen. Von der Nutzung einer Laderampe war zu keinem Zeitpunkt die Rede. 

Wir sind zur Camel Week auf dem Kamelmarkt in Daraw im Süden Ägyptens. Dort sammeln wir Informationen und neue Erkenntnisse für unseren Bericht über Kamelmärkte. Kurz nach dem muslimischen Opferfest ist auf dem Markt nicht viel los. Normalerweise werden hier etwa 1.000 bis 2.000 Kamele pro Woche gehandelt, wie uns die Händler stolz erzählen. Die Kamele kommen aus dem Sudan und werden hier unter anderem zur Mast und zum Weiterverkauf an Schlachthöfe in Kairo gehandelt. Jeder will noch ein bisschen mitverdienen. 

Die Sonne brennt, es sind etwa 43 Grad. Wir schwitzen nur vom Warten. Es gibt keinen Schatten, weder für die Kamele auf dem Markt, noch für die Kamele auf dem kaputten LKW. Dicht an dicht sitzen sie nebeneinander, verschnürt wie Pakete. Viele von ihnen haben zusätzlich eine Paketschnur um das Maul gebunden - „damit sie nicht beißen“, sagen die Arbeiter. Auch Khaled hat so eine Paketschnur um den Mund. 

Wir können uns nur vorstellen, wie die Verladung auf den ersten LKW abgelaufen ist – mit Schlägen und Gewalt. Nun müssen die Kamele diese brutale Prozedur erneut über sich ergehen lassen. Die Tiere werden vom ersten auf den zweiten LKW gezerrt und geschlagen, zum Teil noch an den Vorderbeinen gefesselt und müssen so auf die andere Ladefläche robben, im Nacken immer die heftigen Stockschläge eines Arbeiters, während ein zweiter vorne an ihnen zieht. „Klapp, klapp, klapp“ – das Geräusch der Schläge, wenn die Stöcke auf die Körper der Kamele treffen, vergisst man nicht, es brennt sich im Gedächtnis ein. Als Khaled an der Reihe ist, ist der LKW schon so voll, dass er gar nicht mehr weiß, wo er hintreten soll. Ein Arbeiter löst die Schnur um seinen Mund und zieht sie durch ein Loch in seiner Nase, um sie als „Nasenring“ zu benutzen. Mit einem kräftigen Ruck zieht er Khaled nach vorne. Immer wieder ertönt das „Klapp, klapp, klapp“ auf dem Rücken von Khaleds Körper. 

Khaled ist nun mit der Schnur durch die Nase an der Seite des Lastwagens festgebunden. Wir versuchen den Fahrer zu überreden, wenigstens die Schnur während der Fahrt zu lösen – keine Chance, er bleibt dabei, dass Khaled aggressiv sei und deshalb so kurz angebunden bleiben müsse. Was für ein Wahnsinn – das alles. Knapp 1,5 Stunden dauert das Umladen der insgesamt acht Kamele. Dann geht es weiter nach Suhag zum Schlachten, etwa 6-7 Stunden Fahrt, so der Fahrer. 

Dieser brutale Umgang mit den Tieren beim Verladen ist leider keine Ausnahme in Ägypten, sondern traurige und bittere Realität für die tausenden Kamele, die wöchentlich aus dem Sudan zum Schlachten transportiert werden. Die Einsätze in Ägypten brechen uns jedes Mal das Herz und eine Lösung für die Tiere dort scheint fast aussichtslos. Doch wir wollen die Hoffnung nicht aufgeben und arbeiten Schritt für Schritt weiter daran, dass Tierschutz endlich auch für Kamele eine Rolle spielt.