Bulgarien: Der Fall Milena - ein rollender Albtraum aus Schmutz und Leid

Der Fall Milena - Tiertransport in Bulgarien

Auf den ersten Blick scheint der LKW für Kurstreckentransporte lebender Tiere geeignet zu sein. In Bulgarien ist das ungewöhnlich. Wir sind es gewohnt, Tiere in Fahrzeugen zu sehen, die für den Transport – selbst kurzer Strecken – völlig ungeeignet sind. Von außen sehen wir auf dem Oberdeck Kälber unterschiedlichen Alters. Das Unterdeck bleibt wegen der geschlossenen Fenster verborgen. Zwei Stunden lang folgen wir dem LKW auf den kurvenreichen Straßen der Region Sliwen. Schließlich hält er auf einer weiten, grünen Wiese, was ebenfalls ungewöhnlich ist. Normalerweise werden die Tiere direkt in geschlossene Ställe entladen. Wir nähern uns. Die Sprachbarriere hindert uns daran, mit den Fahrern zu kommunizieren und herauszufinden, woher die Tiere kommen. Das Entladen beginnt. Wir sehen Kühe auf dem Unterdeck. Alle sichtlich verschmutzt, Teile ihrer Körper sind mit Exkrementen bedeckt. Der LKW ist ein Sumpf aus Mist und Urin, als hätte sich tagelang niemand die Mühe gemacht, ihn sauber zu machen. Ein rollender Albtraum aus Schmutz und Leid. Gerade als wir denken, das Entladen sei vorbei, bemerken wir Aufregung unter den Fahrern. Sie steigen in den Lastwagen. Und da ist Milena. Sie kann nicht aufstehen. Sie ist von den Beinen bis zu den Ohren mit Kot bedeckt. Sie wirkt erschöpft. Ihre Augen bohren sich tief in unsere Herzen. Wir können nicht sagen, wie lange sie insgesamt unterwegs war, aber ihr Zustand ist erbärmlich. Sie hat frische Wunden am Rücken. Ob sie sich diese während der Fahrt oder vorher zugezogen hat, wissen wir nicht. Was wir aber wissen, ist, dass ihr niemand auch nur eine kurze Ruhepause gönnt. Einer der Fahrer zwingt sie mit einem Elektroschock zum Aufstehen. Mit großer Anstrengung gelingt es Milena, sich aufzurichten. Ihre Schritte sind wackelig und unsicher, aber schließlich steigt sie aus dem Lastwagen und tritt auf die Wiese. Sie schließt sich der Gruppe an und beginnt zu grasen. Jetzt atmet sie wenigstens frische Luft. Während wir Milena beobachten, kommen die Kälber vom Oberdeck herunter. Manche sind noch sehr klein, höchstens zwei Wochen alt. Sie kommen desorientiert und verängstigt heraus. Einige Kühe rennen sofort auf sie zu. Wir gehen davon aus, dass es Mütter sind, die ihre Kälber wiederfinden, die irgendwann während der Fahrt getrennt wurden. Eine kurze, aber zutiefst bewegende Szene. Obwohl wir von den Fahrern keine genauen Informationen erhalten konnten, reichen die von uns dokumentierten Bilder und Beobachtungen völlig aus, um diesen Fall zu melden. 

Wir werden die Beweise den zuständigen Behörden vorlegen und eine Untersuchung von Milenas Fall fordern. Außerdem werden wir unsere Beschwerde bei der Europäischen Kommission bezüglich der systematischen Nichteinhaltung der Verordnung (EG) Nr. 1/2005 über Tiertransporte in Bulgarien aktualisieren.