Deutschland: Schweinemütter zum Schlachthof – als ‚Gebärmaschinen’ sind sie nicht mehr rentabel

Animals’ Angels begleitet einen Tiertransport mit ausgedienten ‚Zucht’sauen. Sie werden quer durch Deutschland zu einem großen Schlachthof in Nordrhein-Westfalen transportiert.

Durch die Gitterstäbe des Lkw schauen uns die aussortierten Schweinemütter erschöpft an. Sie sind ausgemergelt, ihre Gesäuge zum Teil noch mit Milch gefüllt. Unter ihnen ist Martha. Ihre letzte Geburt in einem engen Käfig ist wahrscheinlich nur wenige Woche her und doch wurden ihr ihre Kinder bereits weggenommen. Wie viele Ferkel sie davor wohl schon zur Welt bringen musste?

Martha und die anderen Sauen sind wirtschaftlich als ‚Gebärmaschinen‘ nicht mehr rentabel und werden deshalb zum Schlachthof transportiert. Heute ist es warm – teilweise bis zu 28 °C. Martha steht vor uns, mit offenem Mund hechelt sie nach Frischluft. Ihr auf Hochleistung gezüchteter Körper versucht verzweifelt seine Temperatur zu senken. Es gibt keine Klimaanlage an Bord der Fahrzeuge, die die Umgebungstemperatur runterkühlen könnten. Die Ventilatoren an Bord wirbeln die warme Luft lediglich ein wenig umher. Für Martha und die anderen Sauen reicht das nicht – sie leiden unter Hitzestress. Wassertränken sind im Lkw keine zu finden. Auf kurzen Tiertransporten bis 8 Stunden sind sie gesetzlich nicht vorgeschrieben.

Wir folgen dem Tiertransporter weiter und fahren auf der Autobahn geradewegs in einen Stau. Minutenlang stehen wir. Wir machen uns große Sorgen um Martha und die anderen Sauen. In der prallen Sonne und ohne Fahrtwind sind sie erbarmungslos der Hitze ausgesetzt. Deshalb rufen wir die zuständige Autobahnpolizei an. Wir wollen wissen, wie lange der Stau noch dauert und ob es Möglichkeiten gibt, den Lkw rauszulotsen. Doch die Polizei ist überlastet mit mehreren Unfällen und kann nicht helfen. Nach über eineinhalb Stunden löst sich der Stau endlich auf. Wir begleiten Martha bis zum Gelände des Schlachthofs. Dort müssen wir sie und die anderen Sauen schweren Herzens ziehen lassen.

Wir sind entsetzt über ihren Zustand. Ihre traurigen Augen sprechen Bände. Wir fragen uns, ob Martha heute zum ersten und letzten Mal in ihrem Leben das Tageslicht gesehen hat? Wieder einmal wird uns bewusst, wer die Leidtragenden der Massentierhaltung sind – es sind Tiere wie Martha. Mit einem detaillierten Bericht wenden wir uns an die zuständigen Behörden und fordern entsprechende Kontrollen.

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