Durch Stau und stockenden Verkehr – Rinder bei über 30 °C von Spanien nach Italien transportiert

Zum ersten Mal sehen wir Olivier und seine 34 Leidensgenossen auf einer Autobahn in Frankreich. Dort begleiten wir den Transport gute zwei Stunden durch den stockenden Verkehr, bis er an einem Rastplatz anhält. Fahrerwechsel! Aus dem Lkw klettern zwei junge Männer. Sie erzählen uns, dass die Tiere in Spanien geladen wurden. Der Zielort sei ein Schlachthof in Italien. In ca. 100 Kilometer wollen sie die vorgeschriebene einstündige Pause für die Tiere einlegen.

Vertrauen ist gut – Kontrolle ist besser! Wir folgen ihnen durch den dichten Verkehr. Etwa eine Stunde später fährt der Tiertransporter auf einen Rastplatz. Doch er ist völlig überfüllt und der Lkw kann nirgendwo parken. Notgedrungen muss er seine Fahrt fortsetzen.

Nach einer Stunde geraten wir hinter einer Mautstelle in einen Stau. Es bewegt sich nichts mehr und im Rückspiegel sehen wir, dass der Lkw auf einem Seitenstreifen parkt. In diesem Verkehrschaos können wir unmöglich anhalten. Wir entscheiden uns, umzudrehen und erneut die Mautstelle zu passieren, um nach Olivier und den anderen Bullen zusehen. Wir sind angespannt, aus Angst den Transporter nicht mehr rechtzeitig einholen zu können. Aber das Glück ist auf unserer Seite und der Lkw steht immer noch an derselben Stelle – jedoch in der prallen Sonne.

Wieder sprechen wir mit den Fahrern. Sie zeigen uns die Innentemperatur des Lkw. Olivier, Marc, Pascal und alle anderen stehen bei über 30° Grad auf dem Transporter. Die Fahrer erzählen uns, dass es keine andere Parkmöglichkeit gegeben hätte und dass sie noch ca. vier Stunden Fahrt vor sich hätten.

Um Mitternacht erreichen wir dann endlich den Schlachthof und wünschen uns nur noch eins: Dass die Bullen hoffentlich schnell von ihrem Leid erlöst werden und ihren Frieden finden. Wir steigen aus und wundern uns, dass es im Schlachthof dunkel ist. Wir erfahren, dass die Entladung erst in den frühen Morgenstunden stattfindet. Wegen falscher Planung müssen die Tiere noch mal sechs Stunden auf dem Lkw ausharren, bis sie morgens nach und nach in den Schlachthof laufen. Der Fahrer sieht uns etwas mitleidig an, als wir wortlos in den Lkw blicken und zum letzten Mal mit den Fingern Olivier berühren.