EU-Exporte: Unsere Nacharbeit bringt drastische Verstöße zum Vorschein

Animals‘ Angels begleitet in Kasachstan und Usbekistan zwei Transporte mit Färsen. Die Tiere wurden in den Niederlanden geladen. Tausende Kilometer entfernt liegt ihr Zielort in der Nähe von Taschkent in Usbekistan.

Wir finden die Transporte erst in Südkasachstan, sodass wir nichts darüber sagen können, ob die Pausen- und Versorgungszeiten tatsächlich eingehalten wurden. Was wir aber wissen: die Ladedichte ist zu hoch – nicht alle der 33 Färsen pro Lkw können sich gleichzeitig hinlegen. Besonders bei solch ultralangen Transporten ist dies unverantwortlich!

In Usbekistan beobachten wir, wie die beiden Lkw für mehr als fünf Stunden am Straßenrand parken – mit den Tieren an Bord. Wahrscheinlich müssen die Fahrer über Nacht auf den Käufer warten, bevor er sie am nächsten Morgen abholt und zum Stall bringt. Nicht selten erleben wir das, denn oftmals ist die tatsächliche Zieladresse gar nicht bekannt. Erschöpft, ausgehungert und durstig kommen Merle, Annike und ihre anderen Leidensgenossinnen nach über 9 Tagen Transport an der usbekischen Milchfarm an.  

In zeitintensiver Nacharbeit analysieren wir die GPS- und Temperaturaufzeichnungen, die wir für die beiden Transporte erhalten haben. Die Arbeit lohnt sich: Wir finden heraus, dass in Russland und Nord-Kasachstan die Mindesttemperaturen in den Lkws mit bis zu -14 °C dramatisch unterschritten wurden – und Minustemperaturen sogar über 48 Stunden in den beladenen Fahrzeugen herrschten! Gesetzlich vorgeschrieben sind an Bord mindestens 5 °C (mit +/-5 °C technischer Messungenauigkeit). Auch finden wir heraus, dass die GPS-Aufzeichnungen der LKW stellenweise lückenhaft sind und z.T. nicht mit unseren Vor-Ort-Beobachtungen übereinstimmen. Abgesehen davon hätten diese Transporte so niemals von der Veterinärbehörde am Abfahrtsort genehmigt werden dürfen: Auf der Ostroute via Russland kann nicht gewährleistet werden, dass es ausreichend Versorgungsställe gibt, an denen die Tiere für mindestens 24 Stunden ruhen können. Wir informieren die niederländischen Behörden und schicken ihnen unseren detaillierten Bericht.

Zwischenzeitlich erreichen uns gute Nachrichten: Die Niederlande stoppt als erstes EU-Mitgliedsland Exporte in Drittstaaten, bei denen die Tiere außerhalb der EU ihre Versorgungspausen bekommen müssen – also auch nach Usbekistan! Für Merle, Annike und die anderen kommt diese Entscheidung zu spät. Vielen zukünftigen Färsen werden die Torturen auf den Transporten nach Usbekistan hoffentlich langfristig erspart bleiben. EU-weit machen wir uns weiter stark für ein generelles Exportverbot!

Bei unserem Einsatz begleitete uns auch der Journalist Edgar Verheyen.