Exportroute in den Balkan: Transport von ,Schlacht'tieren

Schlachttiertransporte in die Balkanstaaten

Im März waren wir zum ersten Mal auf der Exportroute in den Balkan unterwegs, um Tiertransporte aus der EU dorthin zu dokumentieren und die Abläufe an der EU-Außengrenze von Kroatien nach Montenegro besser zu verstehen. 

Jede Woche werden europäische Rinder und Schweine über die EU-Außengrenze von Karasovići v.a. in den Kosovo und nach Albanien transportiert. Die meisten von ihnen sind zur Schlachtung bestimmt. Seitdem Serbien aus Tierseuchengründen den Transit von Tiertransporten verboten hat, ist der Grenzübergang von Karasovići die einzige Möglichkeit, um Tiere in den Kosovo zu verbringen. Ein Nadelöhr, das für die Tiere verheerende Konsequenzen haben kann. Die Küstenstraße zur Grenze ist meist einspurig und gerade im Sommer schnell von den Touristenmaßen verstopft. Leicht kommt es zu stockendem Verkehr und Staus, gerade auch an der Grenze. Für die Tiere bedeutet dies zusätzliche Wartezeiten in der prallen Sonne. 

Die Grenze ist nicht für Tiertransporte geeignet und anscheinend auch gar nicht für Huftiere zugelassen. Es fehlt an Infrastruktur - weder Schattenplätze für wartende LKWs noch Entlademöglichkeiten für die Tiere im Notfall gibt es dort. Hinzukommt, dass die Grenze nicht 24/7 geöffnet ist - die Grenzveterinäre arbeiten nämlich nur tagsüber. 

Im März hatten wir wiederholt lange Wartezeiten dort dokumentiert. Viele Tiertransporte kamen bereits in der Nacht an. Während die Fahrer ihre Pause machen konnten, mussten die Tiere auf den Lkws ausharren, dicht gedrängt, oftmals ohne anständige Versorgung mit Wasser und ohne Futter. In einem Fall dokumentierten wir damals sogar über 12 Stunden zusätzliche Wartezeit für die Tiere an der Grenze. 

Ganz klar - diese Situation ist inakzeptabel! Schlechte Planung, unzureichende Kapazitäten an der Grenze und in vielen Fällen leider einfach auch Gleichgültigkeit gegenüber den Tieren führen nicht nur zu wiederholten Verstößen gegen geltende EU-Gesetze, sondern auch zu enormen Tierleid. 

Nach unserem Einsatz hatten wir uns direkt an die Nacharbeit gemacht und uns mit den zuständigen kroatischen Behörden in Verbindung gesetzt, um auf die gravierenden Missstände hinzuweisen. Dabei sind wir auf offene Ohren gestoßen, jedoch lassen sich die infrastrukturellen Probleme an der Grenze kurz- und mittelfristig schwer lösen. Dies würde Investitionen, mehr Personal und politischen Willen erfordern. Die Lage ist leider kompliziert. Anstatt Exporte über die Balkanroute, die nicht einmal die gesetzlichen Mindestanforderungen erfüllen, konsequent zu unterbinden, gehen die Tiertransporte ungehindert weiter. 

 Deshalb waren wir jetzt wieder vor Ort, um weitere Beweise zu sammeln und um Strategien und Lösungsvorschläge zu erarbeiten, damit die unhaltbaren Zustände auf dieser Route sich so schnell wie möglich für die Tiere verbessern.