Grenze zur Türkei: Bürokratie, schlechte Kontrollen und Profitgier verlängern das Leid der Tiere

Animals‘ Angels ist im Einsatz an der Grenze zwischen Bulgarien und der Türkei. Über diesen Grenzposten passieren alle Tiertransporte Richtung Türkei die EU-Außengrenze. In den ersten Tagen kommen nur vereinzelte Tiertransporte mit ‚Mast‘kälbern an. Auch wenn die wenigen Transporte wahrscheinlich nicht auf die hohen Temperaturen mit bis zu 36 °C zurückzuführen sind, freuen wir uns für die Tiere. Ihnen bleibt der Hitzestress weitestgehend erspart. 

Aber leider nicht allen. Ein Transporter mit jungen Bullen aus Tschechien kommt an der Kontrollstelle um 8 Uhr abends an. Die Kälber werden abgeladen. In genau 24 Stunden, also um 8 Uhr abends am folgenden Tag, darf der Fahrer weiterfahren. Allerdings ist die Grenzstelle auf der türkischen Seite zu diesem Zeitpunkt geschlossen und öffnet erst wieder am nächsten Morgen. Was wird der Fahrer tun? Am nächsten Abend kontrollieren wir, ob der Lkw noch auf der Kontrollstelle steht. Und siehe da: Der Transporter lädt die Bullen auf und fährt wenig später los. Anstatt im Stall müssen die Tiere nun die nächsten 12 Stunden auf dem Transporter an der Grenze warten – ohne Futter, ohne ausreichend Wasser und ohne ausreichend Platz zum Liegen für alle. Wieder einmal stehen die Profitinteressen vor den Bedürfnissen der Tiere.

Wir passieren ebenfalls die Grenze und treffen den Transporter am nächsten Morgen auf der türkischen Seite an. Für den Weitertransport werden türkische Papiere benötigt, die zusätzlich ausgestellt werden müssen. Das kann einige Stunden dauern und verlängert die Transportzeit für die Tiere zusätzlich. Wir inspizieren den Transporter und schauen uns die Tiere an. Sie sind unruhig. Sie zeigen deutlich, dass sie Durst und Hunger haben. Uns fällt der kleine Bulle Dastin auf, der uns erschöpft anschaut. Er steht dicht gedrängt in der Mitte des Transporters in einem Abteil, abgetrennt zu beiden Seiten. Das bedeutet: Dastin und die anderen jungen Bullen bekommen kein Wasser, da in ihrem Bereich keine Tränke installiert ist. Aber auch die vorhandenen Tränken im vorderen und hinteren Abteil sind trocken und schmutzig. Sie scheinen lange nicht mehr benutzt worden zu sein.

Wir sprechen den Fahrer darauf an. Er hält es für völlig ausreichend, wenn die Tiere alle 29 Stunden Wasser bekommen. Auch den zuständigen Veterinären an der Grenze ist die fehlende Wasserversorgung nicht aufgefallen. Leider finden wir drei weitere Transporter, bei denen ebenfalls ein Teil der Tiere keinen Zugang zu den Tränken hat. Wir dokumentieren diese klaren Verstöße und werden die Behörden und die EU-Kommission benachrichtigen.

Dieser Einsatz zeigt mal wieder, dass auch die als ‚problemlos‘ angesehen Langstrecken-Transporte für die Tiere extremes Leid bedeuten. Die Fahrer haben die Möglichkeit im Sinne der Tiere zu handeln, aber leider geschieht das viel zu selten.

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