Italien: 1100 km Transport im Kampf um ein wenig Platz

Tiertransport in Italien

Bei unserem Einsatz in Italien finden wir einen LKW, der Färsen mit Ohrmarken aus Belgien und Luxemburg transportiert. Die Tiere sind auf dem Weg zu ihrem endgültigen Bestimmungsort im Nordosten des Landes sind. Nach Angaben der Fahrer wurden die Tiere in Frankreich verladen: Wir wissen nicht, warum sie in Frankreich waren. Ob sie dort aufgezogen wurden oder auf der Durchreise im Zuge eines längeren Transportes aus ihren Herkunftsländern waren, bleibt für uns offen. Nach zwei Stunden Fahrt hinter dem LKW können wir die Tiere in Augenschein nehmen und erfahren, dass sie bisher 700 km transportiert worden sind. Die Tiere stehen eng aneinandergedrängt auf einem schmutzigen Lastwagen. Viele von ihnen wirken erschöpft und haben durch das geringe Platzangebot sichtlich Mühe, ihr Gleichgewicht zu halten. Einige Tiere, wie zum Beispiel Melina, geben ihre breitbeinige Position auch dann nicht auf, als der LKW stillsteht, was zeigt, unter wieviel Stress und Anspannung sie leidet, um das Gleichgewicht in dem überfüllten Kompartment zu halten. Nach weiteren zwei Stunden Fahrt können wir erneut einen Blick auf die Tiere werfen und stellen fest, dass sich die Situation für die Tiere im hinteren Abteil sogar noch verschlimmert hat: der Boden ist geflutet und die Tiere stehen in einem zehn Zentimeter hohen „See“ aus Wasser, Kot und Urin, wahrscheinlich durch einen technischen Defekt. Neben dem Platzmangel ist dies ein weiterer Grund, dass sie sich nicht hinlegen und ausruhen können. Wir versuchen, mit den Fahrern und Bauern am Bestimmungsort im Nordosten Italiens zu sprechen, um mehr über diese Tiere zu erfahren. Was zunächst wie ein Versuch der Transparenz erscheint, nimmt eine drastische Wendung: Zunächst ist es uns erlaubt, den Betrieb zu betreten und beim Abladen der Tiere dabei zu sein. Sie haben nichts zu verstecken, beteuern die Anwesenden. Nach einem Anruf müssen wir den Hof jedoch sofort verlassen. Das machen wir auch, allerdings mit dem tiefen Bedauern, dass wir nicht sehen können, wie die Tiere nach dieser langen Fahrt an die frische Luft gelangen. Wir bleiben in Gedanken bei ihnen.