Italien: Hühnertransport bei sengender Sommerhitze

Hühnertransport im Sommer

Es ist Freitagmorgen und ein Lkw fährt auf einen Rastplatz, um dort eine 15-minütige Pause zu machen. Es sind 28 °C, die Luftfeuchtigkeit ist drückend. In den Käfigen befinden sich etwa 6000 weiße Hühner. Der Fahrer parkt seinen Transporter so, dass Luft durch die Käfige strömen kann. Kurz darauf kommt jedoch ein anderer Lkw an, der sich direkt neben ihn stellt und somit die Luftzufuhr verhindert. 

Wir beobachten die Hühner in den Käfigen und sehen, wie sie ihre Schnäbel öffnen und hecheln. Hühner haben keine Schweißdrüsen und können überschüssige Körperwärme nicht durch Schwitzen abgeben. Stattdessen regulieren sie ihre Körpertemperatur vor allem über die Atmung. Durch das Hecheln verdunstet Feuchtigkeit aus den Atemwegen, was wiederum zu einer Kühlung führt. Wir sehen außerdem, wie ihr Kehlsack vibriert – eine weitere Maßnahme bei Hühnern, um die Luftzirkulation zu erhöhen und den Kühleffekt zu verstärken. Ihr Verhalten zeigt uns eindeutig, dass sie sehr unter der Hitze leiden. Wir versuchen, in so viele Käfige wie möglich hineinzuschauen, um eventuell verletzte Tiere zu entdecken, oder aber solche, die auf dem Rücken liegen und nun nicht mehr aufstehen können. Sie sind damit den Bewegungen des Lastwagens schonungslos ausgeliefert. Wir bemerken den nackten Bauch von Gaia, der sich schnell auf und ab bewegt. Aus eigener Kraft schafft sie es nicht, sich umzudrehen. Das ist das Schicksal von Masthühnern, die für schnelles Wachstum und eine übertrieben große Brust gezüchtet wurden, um den Fleischertrag zu maximieren. 

Die Schattenseite daran ist, dass sie ein schwaches Skelettsystem haben. Die Folge: ihre Bewegungsfähigkeit ist stark eingeschränkt und häufig sogar mit Schmerzen verbunden. Der Fahrer kommt zurück, wir machen ihn auf Gaia aufmerksam. Er sagt uns, dass er Tausende von Hühnern zum Schlachthof transportiert und wer weiß, wie viele andere sich in dergleichen Situation wie Gaia befinden. Er öffnet den Käfig und dreht Gaia um. Wir atmen für einen kurzen Moment erleichtert auf. Ihr zuvor verängstigter Blick hellt sich ein wenig auf, als sie wieder stehen kann. Doch der Transport geht weiter, die Hitze wird zunehmen, und Gaia und die anderen werden in diesen Käfigen bleiben. Beim Schlachthof angekommen werden sie gepackt, kopfüber aufgehängt und schließlich geschlachtet. Die Fleischindustrie hat keine Zeit zu verlieren. Die wenigen Regeln, die es gibt, um das Leiden dieser Tiere zu begrenzen, zählen in einem System, in dem der Profit der Schlachthöfe vorherrscht, nicht. 

Wir wissen, welch schreckliches Ende diese Tiere erwartet, und solange dies so bleibt, werden wir darauf bestehen, dass zumindest diese wenigen Regeln eingehalten werden. Zum Beispiel, dass Tiere nicht bei extremer Hitze an Sommertagen transportiert werden dürfen.