Italien: Pferde aus Polen zur Schlachtung über 2.000 km durch halb Europa transportiert

Mit neugierigen und zugleich müden Augen schauen sie uns an – die Pferde Alka, Bozydar, Irek und die 16 anderen, die mit ihnen zusammen auf dem Tiertransporter stehen. Wir treffen sie im Norden Italiens, in der Nähe der Grenze zu Slowenien. Ein Team von Animals’ Angels ist in Italien unterwegs, um Tiertransporte während der Hitzewelle zu begleiten. Den Pferdetransport finden wir am späten Nachmittag. Immerhin fährt er in der kühleren Nacht in den heißen Süden. Doch unterwegs messen wir auch um Mitternacht immernoch 30 °C.

Alka, Bozydar und die anderen kommen aus Polen. Sie wurden für ihr Fleisch gezüchtet. Noch im jungen Alter werden sie nun nach Italien transportiert, um hier getötet zu werden. Wir begleiten sie zumindest auf einem Teil ihres langen letzten Weges. Die ganze Nacht fahren wir von Nord nach Süd durch ganz Italien. Und können dabei nicht aufhören zu denken, was das für ein Wahnsinn ist: Über 2.000 km durch halb Europa werden diese Pferde gekarrt – nur um am Ende getötet zu werden.

Für die Pferde eine endlose Strapaze. Sie sind es zudem nicht gewohnt, transportiert zu werden. Ihre langen Beine und die Fliehkräfte machen die vielen Bewegungen zusätzlich anstrengend, da ihr Schwerpunkt vergleichsweise hoch liegt. Hinlegen und ausruhen können sie sich während der ganzen Fahrt nicht – die engen Einzelstände lassen das nicht zu.

Als wir am Sonntagmorgen am Zielort ankommen, können wir die Pferde nochmals sehen. Trotz der Erschöpfung und Aufregung halten sie noch immer gerne den Kopf für ein paar letzte Streicheleinheiten hin. Ihre Blicke graben sich tief in unser Gedächtnis ein – und erinnern uns erneut daran, für wen wir diese Arbeit machen: für Irek, Kalina, und all die anderen.