Italien: Tiertransporte im Sommer - Eine unveränderte Problematik

Kurzstreckentransporte im Sommer in Italien

Ende Juli haben wir im Rahmen unserer Animal Week Tiertransporte in Italien kontrolliert. Dabei stießen wir unter anderem auf zwei Lkw, die Schweine zu Schlachthöfen transportierten.

Es war heiß, aber nicht außergewöhnlich heiß: Die von uns gemessenen Außentemperaturen lagen bei etwa 30 °C. In einem der Lkw haben wir sogar 34,2 °C im Inneren gemessen. Temperaturen, die Schweine bereits erheblich belasten: Für sie kann Hitze schon ab etwa 25 °C problematisch werden.

Und genau das haben wir gesehen

Die Schweine hechelten – selbst während der Fahrt, obwohl die durch die Bewegung des Fahrzeugs entstehende Luftzirkulation zumindest für etwas Erleichterung sorgen sollte. Einige atmeten mit geöffnetem Maul, aus denen Speichel und Schaum hervorquoll. Im schlimmsten Fall war die Atmung so schwer und laut, dass sie einem Asthmaanfall glich. Einige Schweine hatten die Zunge herausgestreckt und speichelten stark.

Für die Behörden reicht es nicht aus, zu sagen, ein Tier „macht einen kranken Eindruck“. Selbst wenn bei so eindeutigen Anzeichen offensichtlich ist, dass das Tier leidet. Bei unseren Kontrollen halten wir deshalb jedes Detail fest und zählen auch die Atemzüge pro Minute – so, wie es Wissenschaftler:innen und Tierärzt:innen bei der Beurteilung des Zustands von Tieren tun. Diese Vorgehensweise erlaubt uns eine objektive Dokumentation der Situation. Die von uns erhobenen Daten bestätigen, wie stark die Tiere gelitten haben.

Die Lkw waren mit Ventilatoren und Tränkevorrichtungen ausgestattet, obwohl diese bei Transporten von weniger als acht Stunden nicht vorgeschrieben sind. Einige örtliche Veterinärbehörden haben uns erklärt, dass Fahrzeuge auf kurzen Strecken mit solchen Lüftungs- und Tränkesystemen ausgestattet werden, um die Tiere im Sommer vor Hitze zu schützen. In einem der beiden Fälle hatte der Fahrer die Ventilatoren eingeschaltet. Sie haben den Tieren wahrscheinlich etwas Erleichterung verschafft: In diesem Abteil funktionierte die Belüftung und auch die Besatzdichte war angemessen. Der Zustand der Tiere wirkte tatsächlich weniger besorgniserregend als beim anderen Transport – war aber dennoch ernst. Allerdings reichte die Ventilatoren nicht aus, um gegen die Auswirkungen der Hitze Abhilfe zu schaffen.  In beiden Fällen waren Tränkevorrichtungen vorhanden, aber ausgeschaltet. Wir sahen einige Schweine, die versuchten, an den Tränken zu trinken – doch es kam kein Wasser.

Wie frustrierend und belastend muss es sein, bei Hitze nach Wasser zu suchen und nicht trinken zu können?

Dass die Transporter mit geeigneten Vorrichtungen ausgestattet sind, bedeutet nicht, dass die Tiere tatsächlich davon profitieren können. Ventilatoren kühlen die Luft nicht ab – sie sorgen dafür, dass sie zirkuliert. Und auch Tränken allein garantieren nicht, dass alle Tiere tatsächlich trinken können. In diesen Fällen waren die Tränkevorrichtungen zudem nicht einmal eingeschaltet. In einem der beiden Fälle hielt der Lkw zum Tanken an, während die Schweine noch an Bord waren. Bei hohen Temperaturen bedeutet ein Zwischenstopp, dass die Tiere noch länger der Hitze ausgesetzt sind.

Die Ankunft am Schlachthof bedeutet nicht, dass die Belastung vorbei ist

Als einer der beiden Lkw den Schlachthof erreicht, beobachten wir, dass sich die Tiere nach mindestens 32 Minuten immer noch an Bord befinden. Wie lange sie tatsächlich warten mussten, bevor sie ausgeladen wurden, wissen wir nicht. Diese Wartezeit bedeutet für die Tiere zusätzliche Belastung. Sie können den Lkw nicht verlassen, keinen kühleren Ort aufsuchen und selbst entscheiden, wann sie trinken. Sie müssen einfach warten. Und das alles, um geschlachtet zu werden.

Nicht nur der Transporteur trägt Verantwortung

Der Schlachthof sollte die Ankunft der Tiere so planen, dass sie ohne unnötige Wartezeiten unverzüglich aufgenommen werden können und nicht während der heißesten Stunden transportiert werden müssen. Die Veterinärbehörden wiederum sollten gerade im Sommer wirksame Kontrollen bei sogenannten Kurzstreckentransporten durchführen – um Situationen wie diese zu verhindern und ihnen entgegenzuwirken. Zu oft werden kurze Transporte als weniger problematisch betrachtet – als würde die Tatsache, dass Tiere weniger als acht Stunden im Lkw verbringen, automatisch bedeuten, dass ihr Wohlergehen weniger gefährdet ist. Doch acht Stunden – oder auch nur wenige Stunden – in einem Lkw bei sommerlichen Temperaturen können für Tiere eine enorme Belastung sein.

Wir beobachten nicht einfach nur

Wir haben beide Fälle dokumentiert und den zuständigen Veterinärbehörden gemeldet.

Doch die beiden Transporte machen auch ein grundlegenderes Problem deutlich, das wir seit Jahren beobachten: Tiertransporte müssen so geplant werden, dass die sommerlichen Temperaturen tatsächlich berücksichtigt werden. Gleichzeitig braucht es mehr Aufmerksamkeit und wirksamere Kontrollen bei nationalen und kurzen Transporten. Auf eine Rückmeldung der Behörden warten wir noch. Bereits im vergangenen Jahr haben wir dieses Problem beim italienischen Gesundheitsministerium angesprochen. Nun werden wir unsere jüngsten Beobachtungen auch der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und dem Rat vorlegen, die derzeit an der Überarbeitung der Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport arbeiten. Wir wollen, dass die neue Verordnung diese Probleme wirksam angeht. Der Schutz der Tiere während des Transports darf nicht einzig und allein davon abhängen, wie lang die Strecke ist, sondern davon, welchen Bedingungen die Tiere tatsächlich ausgesetzt sind.

Wir hoffen, dass unsere Berichte zu konkreten und ermutigenden Reaktionen führen – und vor allem zu Veränderungen, die verhindern, dass sich solche Situationen wiederholen.