Es ist abends, kurz nach sieben, als der LKW vor einem italienischen Schlachthof stehen bleibt. Es ist immer noch um die 30°C und die Luft ist feucht und stickig. Für Elio, Pietro und die anderen 114 Schweine ist die Situation an Bord unerträglich. Elio und Pietro liegen lethargisch auf der Seite, ihre Beine von sich gestreckt und mit dem Kopf flach auf dem Boden. Dabei hecheln sie schnell – bei Elio zählen wir über 180 Atemzüge pro Minute (zum Vergleich: normal sind bei Schweinen eigentlich 10-20 Atemzüge/Minute und bereits ab über 40 Atemzüge/Minute spricht man von einer erhöhten Atemfrequenz durch Hitzestress). Alle Schweine atmen schnell und leiden unter Hitzestress. Wegen der Enge an Bord müssen sie dicht nebeneinander liegen. Manche sitzen auch in Hundeposition, ein Indikator für womöglich weitere gesundheitliche Probleme. Viele hecheln mit offenem Mund - ihre einzige Möglichkeit, ihre Körpertemperatur etwas zu regulieren, da Schweine nicht schwitzen können. Bereits während der Begleitfahrt zum Schlachthof konnten wir dies beobachten – trotz Fahrtwind und natürlicher Ventilation. Sobald der LKW steht, zirkuliert auch die Luft im Fahrzeuginneren nicht mehr, was dann noch kritischer für die Tiere wird. Es ist unverantwortlich, Tiere tagsüber bei solch hohen Temperaturen im Sommer zu transportieren. Gerade kurze Transporte könnten auf die kühleren Nachtstunden verlegt werden, wenn sie schon stattfinden müssen.
Viele Schweine sind schmutzig und manche sogar übersät mit Insektenstichen, die sie laut Fahrer im Stall bereits bekommen haben. Dies lässt uns traurig erahnen, wie ihr Leben zuvor ausgesehen haben muss.
Als der LKW auf das Schlachthofgelände fährt, parkt er dort mehr als eine Stunde. Elio, Pietro und die anderen Schweine sind die ganze Zeit im LKW eingesperrt. Schließlich setzt sich der LKW wieder in Bewegung, aber wir können unseren Augen nicht trauen: er verlässt mit den Schweinen an Bord wieder den Schlachthof – aus Seuchenschutzgründen ist das illegal. Wir begleiten sie erneut, dieses Mal zu einem zweiten Schlachthof, der rund 30 Minuten entfernt liegt. Leider ergibt sich keine Möglichkeit mehr, Elio, Pietro und die anderen aus der Nähe zu sehen. Schweren Herzens dokumentieren wir, wie sie zum zweiten Mal in einem Schlachthof verschwinden – dieses Mal ist es für immer.
Bei einem Treffen mit den zuständigen italienischen Behörden haben wir sie auch über diesen Fall informiert. Sie werden ihn untersuchen und hoffentlich aktiv werden, um die Transporteure daran zu erinnern, die Tiere nicht während der heißesten Stunden des Sommers zu transportieren.










