Isabella ist eine von mehreren tausenden ‚Lege’hennen, die wir auf einem Transport in Italien entdecken. Wie all die anderen auch, musste sie ihr kurzes Hühnerleben lang nonstop Eier legen. Man sieht ihren Körpern die Strapazen deutlich an. Sie haben an vielen Stellen keine Federn mehr und sind ausgemergelt von dieser Höchstleistung, die ihnen tagein tagaus abverlangt wurde, um für uns Eier zu produzieren. Ihre Knochen sind mit der Zeit brüchig und fragil geworden. Doch all das spielt keine Rolle in der heutigen ‚Nutz‘tierindustrie. Sobald ihre Legeleistung nachlässt, werden sie ausgetauscht – das passiert meist nach 16 – 18 Monaten. Ihr Zielort: der Schlachthof.
So begleiten wir auch Isabella und die anderen sog. „ausgedienten“ ‚Lege’hennen zu einem Schlachthof in der italienischen Region Veneto. Aus ihren geschundenen Körpern wird noch der letzte Cent rausgeholt, wenn sie später z.B. als Suppenhühner in den Kühltheken der Supermärkte landen. Isabella und die anderen Hühner werden genau zur größten Mittagshitze transportiert, bei Temperaturen über 30°C. Die Sonne knallt auf die alten Metallcontainer, in die die Hühner gezwängt sind. Isabella und die anderen können nicht einmal geradestehen. Während der Fahrt laufen einige Hennen aufgeregt in den Käfigen herum. Dabei stoßen sie immer wieder mit dem Kopf und Rücken gegen die Käfigdecke. Isabella und einige andere Hennen strecken ihre Köpfe aus den Seitenöffnungen der Container – Vielleicht um frische Luft zu suchen, wegen der Hitze; vielleicht, um zu entkommen, vielleicht auch, wegen beidem. Auf der Autobahn in dieser Region sieht man immer wieder tote, aus den Lkw gefallenen Hühner. Doch das scheint niemandem aufzufallen, denn der wirtschaftliche Wert der „ausgedienten“ ‚Lege’hennen ist so gering. Sie werden nicht als Individuen gesehen, die eigene Bedürfnisse, Nöte und Wünsche haben.
Leider bekommen wir keine Möglichkeit, den Transport aus der Nähe zu kontrollieren und Isabella und die anderen nochmal zu sehen. Der Lkw fährt ohne Stopp auf das Schlachthofgelände. Wie viele der Tiere unter Fangverletzungen litten, ob Tiere mit Flügeln oder Köpfen in den Containern eingeklemmt waren und wie viele von ihnen den Transport nicht überlebt haben, wissen wir nicht. Wenigstens werden sie bei der Hitze gleich entladen – Gabelstapler bringen die Container unter ein Zelt, sodass die Hühner im Schatten stehen. Doch das ist nur ein sehr schwacher Trost bei all dem Elend, das Isabella und die anderen in ihrem viel zu kurzen Leben durchmachen müssen. Arbeiter zerren die Hühner grob und ohne jegliches Mitgefühl aus den Containern, manchmal greifen sie ein Huhn, manchmal erwischen sie auch zwei, die sie kopfüber in die Haltevorrichtungen abrupt hängen, als wären sie irgendeine leblose Ware. Die Hennen schlagen wild mit den Flügeln um sich, um sich aus dieser Situation zu befreien – doch vergeblich. Kopfüber aufgehängt werden sie über das Fließband in den Schlachthof befördert.
Wir haben die zuständigen italienischen Behörden bereits informiert und gefordert, dass Maßnahmen ergriffen werden müssen, um Tiertransporte während der heißesten Tagesstunden zu verhindern. Dies gilt auch für sogenannte Kurzstrecken, die innerhalb Italiens bis zu acht bis zwölf Stunden dauern können. Dies gilt insbesondere für Hühner, die unter der Hitze in den Käfigen besonders stark leiden.










