Langstreckentransporte in Australien

Mundrabilla Spell Yard (Ruhe- und Versorgungsstelle)

Jedes Jahr werden in Australien Tausende Rinder und Schafe in Lkw transportiert, die den Tieren weder Wasser noch Futter noch Schutz vor Witterungseinflüssen bieten. Zudem ist die Besatzdicht meist so hoch, dass nicht alle sich gleichzeitig liegen können. 

Die geltenden Tierschutzvorschriften der einzelnen australischen Bundesstaaten erlauben es, Tieren bis zu 48 Stunden lang Wasser und Futter vorzuenthalten. Dieser Zeitraum beginnt nach dem letzten Zugang zu Wasser und Futter, in der Regel auf einem landwirtschaftlichen Betrieb oder einem Tiermarkt (Saleyard). 

Auch wenn ein Tier auf den ersten Blick gesund und transportfähig erscheint, ist es nicht immer in der Lage, die Belastungen eines Langstreckentransports zu bewältigen. Der Entzug von Wasser und Futter, die fehlende Möglichkeit, sich hinzulegen, sowie die Dauer des Transports stellen erhebliche Belastungen dar. Entsprechend hoch sind die Risiken für das Wohlergehen der Tiere.

Für die Industrie hingegen stellt dies oftmals kein großes Problem dar, da die meisten Tiere während des Transports versichert sind.

Einige Fahrer wissen jedoch aus Erfahrung, dass Tiere lange Transporte unter solchen Bedingungen nur sehr schlecht verkraften. Sie wollen den Tieren daher die Möglichkeit geben, zu fressen, zu trinken und sich ausruhen zu können, um die Folgen von Dehydrierung, starkem Hunger und Erschöpfung zu überwinden. Deshalb sind Einrichtungen entlang der Transportstrecken, sogenannte „Spell Yards“ (Ruhe- und Versorgungsstationen), von großer Bedeutung. Dort können die Tiere entladen werden und eine Pause von den Belastungen und Strapazen des Transports erhalten.

Mundrabilla Spell Yard, Mundrabilla (Westaustralien)

Mundrabilla war eine von vier privat betriebenen Ruhe- und Versorgungsstationen, die wir besucht haben, um die Umsetzung der Tierschutzanforderungen zu bewerten. Die Anlage befindet sich unmittelbar westlich der Grenze zwischen Westaustralien und Südaustralien und bietet die Möglichkeit, sowohl Rinder als auch Schafe in Außenbuchten auszuladen, zu füttern, zu tränken und so lange ruhen zu lassen, wie es der Fahrer oder Eigentümer der Tiere für erforderlich hält.

Uns wurde mitgeteilt, dass die Tiere in der Regel etwa zwölf Stunden auf der Anlage verbleiben. Je nachdem, wie lange ihnen bereits vor Beginn des Transports Wasser und Futter vorenthalten wurden, kann dieser Zeitraum jedoch kürzer oder länger ausfallen.

Die Anlage in Mundrabilla ist sehr ordentlich und sauber. Bedauerlicherweise verfügt sie jedoch über keine Überdachung, sodass die Rinder und Schafe sämtlichen Witterungseinflüssen ausgesetzt sind. Nach Angaben der Betreiber erhalten die Tiere ausreichend Platz, um sich gleichzeitig hinlegen und ausruhen zu können. Darüber hinaus stehen ihnen Heu und Wasser bis unmittelbar vor dem erneuten Verladen auf den Transporter zur Verfügung.

Die Verladerampe für Rinder benötigt zwar einige Instandhaltungsmaßnahmen, erscheint unserer Einschätzung nach jedoch weiterhin zweckmäßig und nutzbar.

Zudem weist eine Beschilderung die Fahrer darauf hin, dass nur transportfähige Tiere verladen werden dürfen.

Wir werden den zuständigen Stellen einen ausführlichen Bericht über diese Ruhe- und Versorgungsstation zukommen lassen.