Bei unserem Einsatz Ende Juli in Spanien herrschte ein unglaublicher Verkehr. Kilometerlange Staus bestimmten oft den Tag. Immer wieder sahen wir Tiertransporte, die bei Temperaturen von weit über 30 °C in der Hitze feststeckten. Oft war der Verkehr so dicht, dass wir die Transporte nicht einmal erreichen konnten.
Doch an einen mit Rindern beladenen Lkw kamen wir ganz nah heran. Eine Stunde lang standen wir gemeinsam mit ihm im Stau. Das Thermometer in unserem Auto zeigte 35 °C. Wir überlegten, die Polizei zu rufen und darum zu bitten, den Tiertransporter aus dem Stau zu eskortieren. Doch mein Kollege Patrick hatte Recht: Es gab nicht einmal einen richtigen Standstreifen – eine Eskorte wäre schlicht nicht möglich gewesen.
Als der Transport schließlich den Schlachthof erreichte, war die Temperatur bereits auf 37 °C gestiegen. Trotzdem mussten die Rinder noch eine weitere Stunde auf dem Lkw ausharren, bevor sie entladen wurden. Den Fahrer schien das nicht zu kümmern. Seine größte Sorge galt seinem verpassten Mittagessen.
Die kräftigen Jungbullen standen schwer atmend auf dem Fahrzeug, das in der prallen Sonne stand. Sie pumpten nach Luft. Der heiße, ammoniakgeschwängerte Gestank aus Kot und Urin trieb uns die Tränen in die Augen. Und dann war da Owen. Ein junger irischer Bulle mit einer schönen weißen Blesse im Gesicht. Er lag. Sein Gesicht war vollständig mit Kot und Urin verschmiert. Er zeigte eine ausgeprägte Bauchatmung. Sein Blick war starr geradeaus gerichtet, seine Ohren nach hinten gelegt. Er schien die Außenwelt völlig ausgeblendet zu haben – erschöpft, überhitzt und am Ende seiner Kräfte.
Owen wurde in Irland geboren. Als kleines Kalb wurde er nach Spanien transportiert, um dort gemästet zu werden. Nun wird er in einem Schlachthof bei Valencia sterben. Für dieses System musste er nicht nur getötet werden, sondern zuvor noch zwei lange Transporte und unnötige Qualen ertragen.
Dieses Leid wäre vermeidbar gewesen. Tiere dürften nur nahe am Ort ihrer Aufzucht geschlachtet werden. Niemand kann rechtfertigen, dass fühlende Lebewesen für wirtschaftliche Interessen über weite Strecken transportiert werden und dabei Hitze, Stress, Erschöpfung und Angst ausgesetzt sind.









