Polen: Kein Funken Mitgefühl – Transport laktierender Kühe aus Estland in polnischen Schlachthof

Animals‘ Angels begleitet sogenannte ‚aussortierte‘ Kühe auf ihrem letzten Weg ins Schlachthaus. Die Tiere kommen aus Estland und werden über 14 Stunden via Lettland und Litauen in einen polnischen Schlachtbetrieb transportiert. Aussortiert, weil nicht mehr rentabel genug für die Milchproduktion.

Wieder einmal sind wir schockiert, wie egal es den Wirtschaftsbeteiligten ist, unter welchen Bedingungen ihre Tiere transportiert werden. Wir zählen mehr als sieben Kühe, deren Euter prall gefüllt sind und Milch verlieren. Tuuli, eine Holstein Frisian-Kuh, hat eine Euterverletzung, bei der scheinbar ein Milchgang getroffen wurde und nun Milch in einem Strahl herausfließt. Sie müsste tierärztlich versorgt und dringend gemolken werden. Doch stattdessen steht sie hier mit den anderen 30 Kühen dicht gedrängt auf einem Tiertransport.

Laut EU-Verordnung müssen laktierende Kühe alle 12 Stunden gemolken werden – in der Planung dieses Transportes findet sich davon jedoch nichts. Auch die Fahrer zucken nur mit den Schultern. Bisher habe sich darüber noch niemand beschwert. Wie schmerzhaft diese vollen Euter für die Kühe sein müssen, können sie sich nicht vorstellen.

Noch nicht einmal Einstreu wird den Tieren auf ihrem letzten Weg gegönnt. Sie stehen die gesamte Strecke auf dem harten Metallboden, der sich mit zunehmender Transportdauer in ein rutschiges Gemisch aus Urin, Exkrementen und Milchresten verwandelt. Auch hier verstößt der Transport gegen geltendes EU-Recht. Denn alle Transporte über 8 Stunden müssen mit entsprechender Einstreu ausgestattet sein, um ein gewisses Maß an Komfort für die Tiere und Absorption von Exkrementen zu gewährleisten. Dies wäre gerade wichtig für diese ‚aussortierten‘ und geschwächten Tiere, die oft aus der Milchproduktion genommen werden, weil sie krank sind, nicht mehr schwanger werden und/oder zu wenig Milch geben.

In Litauen veranlassen wir eine offizielle Kontrolle, die wieder einmal krass verdeutlicht, wie wenig geübt die Behörden in der Durchsetzung der bestehenden EU-Transportverordnung sind. Die Polizei stoppt zwar den Lkw, führt aber keinerlei Kontrolle durch und lässt uns schließlich mit dem Lkw stehen – die Fahrer sollen auf den Amtstierarzt warten. Nur über Umwege und etliche Versuche können wir den Amtstierarzt erreichen. Es dauert eineinhalb Stunden, bis er vor Ort ist. So lange warten die Fahrer nicht und fahren kurz vor seiner Ankunft weiter.

Die Polizei stoppt den Lkw erneut. Der Tierarzt stellt mehrere Verstöße fest, die er an die zuständigen Behörden in Estland und Polen weiterleitet. Eine umfassende Transportkontrolle sieht jedoch anders aus! Weder inspiziert er die Tiere im zweiten Deck (wegen fehlender Leiter), noch hat er effektive Sanktionsmöglichkeiten zur Hand. Auch gibt es vor Ort und Stelle scheinbar keine Möglichkeit, transportunfähige Tiere zu entladen und angemessen tierärztlich zu versorgen. Es fehlt schlicht an der nötigen Infrastruktur.

Die Kühe werden schließlich weitertransportiert, noch ca. 400 km nach Polen zu einem Schlachthof. Tuulis Fall zeigt wieder einmal: Empathie und Respekt gibt es nicht in einem System, in dem fühlende Lebewesen als Gebär- und Milchmaschinen degradiert und – sobald sie die nötige Leistung nicht mehr erbringen – aussortiert werden, möglichst kostengünstig, um wenigstens noch ein bisschen Profit aus ihnen herauszuholen.

Wir werden Tuulis Geschichte und die der anderen Kühe umfassend aufarbeiten und die zuständigen Behörden mit den Missständen konfrontieren.

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