Spanien: Unerwartete Entwicklung bei einem Pferdetransport

Frei grasende Pferde in Spanien

Wir sind auf den Straßen Spaniens unterwegs. Vor uns auf der Autobahn sehen wir in der Ferne einen Tiertransporter, der Pferde geladen hat. Als der LKW an einer Raststätte hält, haben wir die Gelegenheit, den Zustand der Tiere und die Transportbedingungen genauer in Augenschein zu nehmen. Bei den Tieren handelt es sich um Kaltblutpferde, die typischerweise für die Fleischproduktion gezüchtet werden. Wir sprechen den Fahrer an, der uns erklärt, dass er die Pferde zu einem zwei Stunden entfernten Betrieb bringen wird, wo sie zur Zucht von ‚Mast’pferden eingesetzt werden sollen. 

Die Pferde sind in Kompartments in Gruppen aufgeteilt und wir sehen etwas Stroh als Einstreu; dennoch haben sie insgesamt viel zu wenig Platz. Sie sind extrem verschmutzt und manche versuchen mit ihrem Gewicht, andere wegzudrücken, um ihren wenigen Platz zu sichern. Obwohl die Tiere unter widrigen Umständen transportiert werden und sehr wahrscheinlich nicht an Menschen gewöhnt sind, blicken uns viele von ihnen mit einer Ruhe in die Augen, die uns berührt.

Die Stute Selli fällt uns besonders aus: Sie schwitzt stark und ihre Muskeln zucken. Manchmal verlagert sie ihr Gewicht abwechselnd auf ihren Beinen. Ihr Gesicht deutet darauf hin, dass sie starke Schmerzen hat. Wir können nicht mit Gewissheit sagen, was sie hat, aber es könnte sich um eine Kolik oder ein anderes akutes gesundheitliches Problem. Wir sprechen den Fahrer darauf an, doch dieser sieht kein Problem am Zustand des Tieres. Somit wird die Stute weitere Stunden unter den unzureichenden Bedingungen transportiert und ist der kalten Zugluft und dem Gedränge im Transporter ausgeliefert. Wir beschließen, Selli und ihre Gefährt:innen zu begleiten – wir möchten sicherstellen, dass sie versorgt werden und wollen mehr über den Zielort der Tiere erfahren.

Leider endet unsere Fahrt zwei Stunden später vor den Toren des Zielortes: Es ist spät am Abend und stockdunkel. Der Betrieb ist extrem entlegen. Somit können wir die Tiere nicht weiter begleiten und drehen schweren Herzens um.

Der Gedanke an Selli und die anderen Tiere lässt uns aber nicht los und so entscheiden wir uns dazu, am nächsten Tag erneut zu dem Betrieb zu fahren, um mehr über den Verbleib der Pferde zu erfahren und mit jemandem zu sprechen. Leider finden wir niemand vor Ort, aber uns erwartet eine positive Überraschung: die Pferde grasen frei auf einer riesigen Weide. Wo immer man hinschaut, sieht man nur grünes Gras, blauen Himmel und weiße Wolken. Wir können Selli nicht sehen, hoffen aber, dass es auch ihr besser geht. 

Während unserer Einsätze müssen wir oft viel Elend und Grausamkeit beobachten. Dieses Mal finden wir am Zielort aber ein anderes Bild vor. Erleichtert und ein bisschen getröstet steigen wir wieder ins Auto. Die Erinnerung an die freilaufenden Pferde wird uns mit Sicherheit Kraft für unsere nächsten Begegnungen auf den Tiertransporten geben.