Spanien: Tiertransporte auf dem Weg nach Marokko

Der österreichische Bulle Jakob auf dem Weg nach Marokko. Er kann nicht aufstehen, da in der Enge des Abteils ein anderes Tier über ihm steht.

Exporte lebender Tiere in Nicht-EU-Länder sind ein heiß diskutiertes Thema – vor allem, wenn es um Transporte in Staaten geht, die keinerlei Tierschutzgarantien bieten. Sobald die Tiere die EU-Außengrenze verlassen, entzieht man ihnen den Schutz, der ihnen innerhalb der EU zusteht. Ein solches Problemland im Sinne des Tierschutzes ist Marokko. Dort existieren keine Tierschutzgesetze, und die Transport- und Schlachtbedingungen sind unerträglich. Der übliche Umgang mit Tieren auf Märkten würde bei uns eindeutig gegen das Tierschutzgesetz verstoßen. Die Möglichkeit, ein schwerkrankes oder verletztes ‚Nutz‘tier durch Euthanasie von seinen Leiden zu erlösen, gibt es nicht. Dies sind nur einige Beispiele.

Tierärzt:innen, Politiker:innen, NGOs und Bürgerinnen und Bürger fordern daher den Stopp der Exporttransporte in sogenannte Hochrisikostaaten. Doch die Agrarwirtschaft und ihre wirtschaftlichen Interessen sind stark. Trotz der selbst gesetzten Tierschutzziele der EU wird den ökonomischen Interessen Vorrang vor dem Tierschutz eingeräumt. 

Spricht man mit Befürwortern der Exporte, werden Probleme zwar eingeräumt, doch heißt es, alles sei nur eine Frage der Planung – und selbstverständlich werde die Qualität der Transporte großgeschrieben.

Doch wie sieht die Realität aus?

Am 11. August sind wir im Hafen von Algeciras in Südspanien. Das Land leidet unter einer Hitzewelle. Die Bilder der verheerenden Brände im nahegelegenen Surferparadies Tarifa werden viele aus den Nachrichten kennen.

Im Hafen entdecken wir sieben Tiertransporte auf dem Weg nach Marokko: Rinder aus Österreich und Spanien sowie spanische Lämmer zur Schlachtung und Mast im Drittstaat. Zum Glück stehen die Lkw während der Wartezeit in Algeciras im Schatten, und vom Meer kommt eine leichte Brise. Trotzdem atmen die kleinen Lämmer schwer, ihre Nasen sind mit Rotz verklebt – ein extremer Ammoniakgeruch dringt aus den Fahrzeugen.

Von guter Planung und guten Transportbedingungen kann keine Rede sein:

  • Für den Zielhafen in Marokko werden Rekordtemperaturen von 38 °C erwartet.

  • Auf der Weiterfahrt nach Casablanca, wo einige der Lämmer zum Schlachthof gebracht werden, sind 39 °C prognostiziert.

  • Die Kälber auf einem Transporter lecken verzweifelt an Nippeltränken für Schweine – an denen sie ihren Durst nicht stillen können.

  • Bei einem Lämmertransport ist das Tränkesystem defekt.

  • Die Ladedichte ist sehr hoch auf allen Rindertransporten: Nicht alle Tiere haben die Möglichkeit zu liegen; liegende Tiere werden getreten, die Verletzungsgefahr ist groß.

  • Keiner der Transporte führt Futter mit – das würde Geld kosten und Platz beanspruchen.

Diese Transporte hätten niemals abgefertigt werden dürfen. Dass die zuständigen Tierärzt:innen sie dennoch genehmigt haben, ist unverständlich. Das Veterinäramt im Hafen von Algeciras hat kaum Handlungsspielraum, denn in der gesamten Region gibt es keine Möglichkeit, die Tiere im Transit abzuladen. Die Tiere an die Verladeorte zurückzuschicken ist aufgrund der extremen Temperaturen kaum möglich und würde das Leiden nur verlängern.

Dass Exporttransporte nicht einmal im August und mitten in einer Hitzewelle ausgesetzt werden, ist unfassbar. Diese Tatsache zeigt einmal mehr: Auf den guten Willen der „Nutztier“-Industrie ist nicht zu hoffen – hier zählt allein der Profit. Es ist ein hartes Geschäft, in dem das Wohl der Tiere an letzter Stelle steht.

Die Entscheidungsträger:innen in der EU sollten sich darüber im Klaren sein. Animals’ Angels fordert daher erneut:

  • das Ende der Langstreckentransporte von Tieren zur Mast und Schlachtung

  • sowie das Ende der Exporte in Nicht-EU-Länder.