Subventionierter Kälbertransport von Nordspanien nach Teneriffa: Tiere mehr als drei Tage nonstop an Bord des Lkw

Animals‘ Angels und ANDA sind im Einsatz für die Tiere auf der Route Richtung kanarische Inseln. Diese Woche ist die letzte, in der die Subventionen für den Import von Rindern vom europäischen Festland auf die Inseln gezahlt werden – also auch vorerst die letzte Woche für Tiertransporte. Danach ist ‚Winterpause‘, bevor ab nächsten Juni die Subventionszahlungen und somit die Tiertransporte erneut starten.

Im Hafen von Cádiz finden wir einen Transport mit Kälbern. Der Fahrer ist auch gleichzeitig der Organisator dieses Transportes. Er erzählt uns, dass das Veterinäramt am Abfahrtsort in Nordspanien seit unseren Berichten im Sommer alarmiert ist und er die Auflage bekommen hat, weniger Tiere zu laden als in der Planung vorgesehen. Die Kälber gehen an drei verschiedene Zielorte in Teneriffa – nur einen davon kann er mit dem großen Lkw erreichen. Die anderen beiden Ställe sind so schwer zu erreichen, dass die Kälber unterwegs auf kleine Fahrzeuge umgeladen werden müssen.

Als der Transport in Cádiz ankommt, ist er bereits etwa 15 Stunden unterwegs. Wieder ist der Lkw viel zu früh im Hafen, sodass die Kälber an Bord für weitere 12 Stunden ausharren müssen. Samstagmorgens beginnt die Verladung auf die Cargo-Fähre. Die Tiertransporte müssen immer als erste einfahren, da sie oben auf dem Offendeck parken. Danach werden die ganzen Cargo-Container und Anhänger auf die Fähre verladen – und das dauert. Am frühen Abend dann legt die Fähre mit Verspätung ab.

In Teneriffa erwarten wir die Kälber wieder am Hafen. Nach über 32,5 Stunden auf See legt die Fähre endlich an. Nach weiteren 3,5 Stunden kann auch der Lkw mit den Kälbern von Bord fahren – klar, zuerst musste die ganze Cargo-Fracht in den unteren Decks entladen werden. Montagmorgen kurz nach 5 Uhr Ortszeit fährt der Lkw mit den Kälbern schließlich von Bord der Fähre.

Für die nächsten Stunden folgen wir dem Lkw kreuz und quer durch Teneriffa – zuerst geht es über steile Bergautobahnen in den Nordwesten. Dort liegt der erste Stall. An einem Seitenstreifen einer Straße werden 32 Kälber vom Lkw auf einen kleinen Transporter verladen. Der Fahrer besteht darauf – auch weil wir dabei sind – dass maximal acht Kälber auf den kleinen Transporter verladen werden. Der Käufer beschwert sich, weil er jetzt anstatt zwei Fahrten vier Mal zum Stall fahren muss – eigentlich wollte er 16 Kälber auf einmal auf die kleine Ladefläche des Transporters quetschen. Auch wenn der Stall nur acht Kilometer entfernt liegt, ist er nur über schmale und steile Bergstraßen zu erreichen, sodass sich die ganze Prozedur in die Länge zieht: insgesamt 1,5 Stunden.

Während dieser Zeit können wir endlich die Tiere nach der langen Schiffspassage wiedersehen. Sie sind sichtlich erschöpft und ausgehungert. Besonders das französische Kalb Amelie kann nicht mehr. Sie atmet schwer und liegt auf der Seite. Amelie hat ihren Kopf auf den Bauch abgelegt und ihre Beine von sich gestreckt. Die Luft an Bord ist stickig von all dem Ammoniak, die Einstreu durchnässt und verdreckt von Kot und Urin. Durch den Platzmangel an Bord hat ein anderes Kalb auf Amelies Rücken gekotet. Als Amelie umgeladen werden soll, kann sie zum Glück von allein aufstehen. Die Entladung können wir leider nicht beobachten, da der Lkw mit den übrigen 48 Kälbern weiterfährt – zurück Richtung Hafen und Nordwesten der Insel. Dort liegt der zweite Stall. Auch hier werden die 14 Kälber in zwei Fahrten auf einen kleinen Transporter verladen, da der nahegelegene Stall unmöglich mit einem 40t Lkw erreichbar ist. Schließlich geht der Transport der an Bord verbliebenen Kälber weiter – dieses Mal in den Süden von Teneriffa, in eine Zone, wo es im Sommer sehr heiß und trocken werden kann. Wir fragen uns, wie die Tiere damit umgehen werden. Den Stall können wir nicht sehen. Uns wird vor der Nase das Tor verschlossen und die Käufer weigern sich mit uns zu sprechen. Aus der Ferne können wir die Entladung der Kälber wenigstens noch sehen – zumindest laufen alle Tiere selbstständig vom Lkw und werden mit Wasser und Futter versorgt.

Am Nachmittag sehen wir nach Amelie. Sie ist in einem verwahrlosten Stall untergebracht, dort gibt es neben Rindern auch Schweine, Ziegen und Pferde. In der Mitte des Hofes, gleich neben Amelies Stall, wird Müll verbrannt. Daneben liegen alte, gammelige Brotlaibe und Packkartons im Matsch und Regen. Amelie ist zusammen mit den anderen 31 Kälbern in einem überdachten Offenstall untergebracht, der im Vergleich zum Rest des Hofes einigermaßen sauber ist. Zwischen den Kälbern suchen wir Amelie. Sie steht dicht gedrängt bei den anderen und scheint sich etwas von den Transportstrapazen erholt zu haben. Immerhin haben auch sie Wasser und Futter bekommen. Laut Besitzer sollen Amelie und die anderen Kälber in sechs Monaten geschlachtet werden. Für uns bleiben diese Transporte jedes Mal ein Wahnsinn, der noch subventioniert wird – all die Strapazen und unnötigen Leiden der Tiere auf solch tagelangen Transporten, nur um kurze Zeit später in einem Schlachthaus zu enden. Das muss endlich aufhören! In umfassenden Berichten werden wir uns an die zuständigen Behörden in Spanien und der EU wenden und ein Ende dieses subventionierten Tierleidens fordern.

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