Teneriffa: Über 70 Stunden Tiertransport für 69 'Mast'kälber aus Spanien

Es ist mitten in der Nacht. Wir sitzen im Auto im Hafen von Teneriffa und warten auf die Ankunft der Cargo-Fähre. Sie kommt vom spanischen Festland und hat vor etwa eineinhalb Tagen den Hafen von Cádiz verlassen. An Bord hat sie unter anderem drei Tiertransporte mit Rindern sowie mindestens sieben Transporte mit lebenden Fischen geladen.

Für welchen LKW sollen wir uns entscheiden? Welche Tiere begleiten wir auf ihrem Transport, um ihre Geschichte bis zum Ende zu dokumentieren und erzählen können? Diese Entscheidung ist jedes Mal schwer, aber wir können leider nicht bei allen sein. Dafür sind die Tiertransporte zu viele und wir zu wenige. Bei unserem aktuellen Einsatz auf einer der längsten Transportrouten mit Schiffspassage innerhalb der EU entscheiden wir uns dieses Mal für einen Transport, der weibliche ‚Mast’kälber geladen hat. Die 69 Tierkinder kommen aus Spanien. Hier auf Teneriffa sollen sie nach ein paar Monaten Mast schließlich geschlachtet werden – um nicht selten auf einem der Teller der vielen Touristen zu landen.

Seit diesem Sommer ist Animals‘ Angels, gemeinsam mit der spanischen Tierschutzorganisation ANDA, verstärkt auf dieser Route unterwegs. Es ist ein Wahnsinn, wie lange diese Tiertransporte dauern – bedingt durch die abgelegene Lage der Kanaren dauert allein die Fährüberfahrt vom spanischen Hafen in Cádiz bis nach Teneriffa etwa 44.5 Stunden für die Tiere, also fast zwei Tage. In dieser Zeit sind die Tiere ununterbrochen an Bord des Lkw, der auf dem Deck der Cargo-Fähre geparkt ist. Sowohl im Hafen von Cádiz als auch im Zielhafen in Teneriffa gibt es keine Ablademöglichkeit für die Tiere. In unserem aktuellen Beispiel heißt das für die spanischen Kälber: Sie sind von Freitagmittag bis zum späten Montagvormittag nonstop auf dem Lkw – insgesamt über 70 Stunden!

Unverständlicherweise kam der Lkw bereits im Hafen von Cádiz freitagabends an, obwohl die Fähre erst am nächsten Morgen mit der Beladung der Lkw und Cargo-Fracht beginnt. Die Transportzeit für Marta und die anderen Kälber an Bord wurde somit unnötigerweise um ca. 10 Stunden verlängert. In Teneriffa folgen wir dem Lkw bis zum Zielort. Wie bereits bei unseren vorherigen Einsätzen dokumentieren wir auch dieses Mal wieder, dass der Lkw nicht wie gesetzlich vorgeschrieben, den Zielort innerhalb von zwei Stunden nach Verlassen des Schiffes erreicht. Dem Fahrer ist der Zielort auch gar nicht bekannt, sondern er wird von einem Arbeiter abgeholt, um dann nochmal an einem Baumarkt auf den Besitzer zu warten. Dieser kommt zum Glück trotz früher Morgenstunde relativ zügig – da hatten wir auch schon andere Fälle, wo der Besitzer trotz totem Tier an Bord erst nach knapp sechs Stunden aufgetaucht ist.

Allerdings zieht sich die Zeit bis zur Entladung weiter in die Länge, weil der Lkw bestehend aus Zug mit Hänger zu groß ist für die kleinen Bergstraßen. Deshalb werden erst die Kälber im Zug zum Stall transportiert – es geht eine schmale und teilweise sehr steile Serpentinenstraße bergauf. Marta und die restlichen Kälber im Anhänger müssen auf dem Baumarktgelände warten, bis der leere Lkw wieder zurückkommt und die Tiere auflädt. Insgesamt dauert die Prozedur um die sechs Stunden statt der gesetzlich maximal erlaubten zwei Stunden. Als Marta schließlich im Stall ankommt, stürzt sie sich hungrig auf das Stroh – was anderes gibt es erstmal nicht für sie zu essen.

Das Beispiel von Marta und ihren Leidensgefährtinnen zeigt uns einmal mehr, dass diese langen Tiertransporten endlich beendet werden müssen! Dafür setzen wir uns auf EU-Ebene ein, und ganz konkret werden wir eine umfassende Beschwerde bei den zuständigen Behörden in Spanien einreichen.

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