Tiertransporte in der Vorweihnachtszeit

Kuh auf einem Transporter in Italien

Wir sind auf den Straßen Italiens unterwegs. Jede Woche werden dort unzählige Rinder von den Nachbarländern nach Italien transportiert, meist, um gemästet oder direkt geschlachtet zu werden. Gerade in der Vorweihnachtszeit steigt die Nachfrage nach Fleisch und somit erreichen in diesen Wochen die Zahl der Tiertransporte einen traurigen Höhepunkt. 

Viele der Transporte, die wir kontrollieren, sind dem Gesetz nach sogenannte Kurzstreckentransporte, was bedeutet, dass die Tiere weniger als 8 Stunden, transportiert werden. Dies bedeutet jedoch nicht, dass uns weniger Leid erwartet, als wir in die Augen der Tiere blicken. Zusammengepfercht finden wir Maria, Sabine und Lea in einem See aus Kot, Urin und dem eingetretenen Regenwasser vor. Viele Tiere sind ganz nass und völlig verschmutzt. Die entwürdigenden Bedingungen, unter denen die Tiere transportiert werden, sind schockierend.

Lea fällt uns sofort auf, weil sie uns direkt in die Augen schaut. Sie scheint zu weinen: Ihr rechtes Auge tränt stark, was wahrscheinlich der schlechten Luft im Transporter geschuldet ist. Es regnet, der Fahrer hat die Fenster halb geschlossen, dennoch ist Wasser in den Laderaum eingetreten. Die Klappen können nicht vollständig geschlossen werden, da sonst keine Luftzirkulation möglich wäre. Auf dem Boden wurde keine Einstreu ausgelegt, um Wasser und Exkremente aufzunehmen und den Tieren somit ein etwas saubereres Umfeld zu bieten.

Laut EU-Gesetz ist die Verwendung von Einstreu nur für Langstreckentransporte ab 8 Stunden vorgeschrieben, weshalb sie normalerweise nicht für kürzere Transporte verwendet wird. Die Reinigung nach Beendigung des Transportes würde zusätzlichen Aufwand, Zeit und Geld bedeuten.

Die Tatsache, dass sie nur für längere Transporte verpflichtend ist, bedeutet jedoch nicht, dass sie bei Bedarf nicht auch bei kürzeren Transporten verwendet werden sollte. Die Verordnung (EG) 1/2005 schreibt vor, dass transportierte Tiere nicht leiden dürfen, wenn sich dies vermeiden lässt. Zudem müssen Tiere laut Gesetz vor Witterungseinflüssen geschützt werden – was hier offensichtlich nicht geschehen ist. Auch der Boden des Transporters muss rutschfest sein, was durch den nassen Untergrund nicht gewährleistet ist. Instinktiv ist jedem klar, dass Transporte unter solchen Bedingungen Leiden verursachen. Ebenso klar ist, dass die Verwendung von ausreichender Einstreu die Situation erheblich verbessern würde. Gesetze sollten nicht nur wörtlich gelesen, sondern im Sinne ihres Zwecks verstanden werden. Solange im Rahmen von Kontrollen jedoch keine Maßnahmen zur konsequenten Durchsetzung ergriffen werden, wiederholen sich diese Szenen und werden das Leiden verursachen, das der Gesetzgeber vermeiden wollte.

Das Schicksal dieser Rinder ist ein trauriges Sinnbild dafür, was Tiere erleiden müssen, um die riesige Nachfrage nach Fleisch abzudecken. Es bleibt ein langer Weg, bis die Tiere auf allen Ebenen, den Respekt erhalten, den sie verdienen. Ein umfassender Sinneswandel ist notwendig. Helfen Sie mit und teilen Sie die Geschichte von Maria, Sabine und Lea mit anderen Menschen, um gerade in diesen besinnlichen, vorweihnachtlichen Tagen an sie zu erinnern.