Tiertransporte in die Türkei: Feiertage sorgen für Verzögerungen an der Grenze

Animals' Angels ist wieder in Kapikule, auf der türkischen Seite der EU-Außengrenze. Dort wurde ganz in der Nähe ein neuer Stall provisorisch errichtet – mit vier Außenpaddocks ohne ausreichend Sonnenschutz, in die Tiere aus maximal vier LKW ausgeladen werden können.

Wie der Betreiber des Stalles dem Team mitteilt, werden die Tiere dort normalerweise für 2-3 Stunden untergebracht, um mit Nahrung und Wasser versorgt zu werden. Auch vorgestern kamen vier LKW mit tschechischen 'Schlacht'bullen an, die direkt in ein Schlachthaus hinter Istanbul transportiert werden sollten. Da aber Kurban Bayrami, das muslimische Opferfest, gerade gefeiert wird, arbeiten die türkischen Zollbehörden nicht, weshalb die Tiere vorerst hier in diesem 'Stall' bleiben. Ab wann die Behörden wieder arbeiten und die Transportpapiere freigeben, ist unklar – solange bleiben die Tiere auf jeden Fall hier.

Beim Ausladen eines Tiertransports entdeckt das Animals‘ Angels-Team Janoš. Er läuft als Letzter aus dem Anhänger. Weder die Fahrer noch die Arbeiter haben ihn genauer untersucht, was nötig gewesen wäre, denn Janoš lahmt sehr stark auf allen vier Beinen, vermeidet jede unnötige Bewegung und wirkt apathisch. Nachdem das Animals' Angels Team ihm zu trinken gibt, versucht es einen Tierarzt zu organisieren, jedoch ist keiner zuständig und aufgrund der Feiertage sind alle Veterinärbüros geschlossen. Da Janoš transportunfähig erscheint, informiert Animals‘ Angels auch den Spediteur dieses Transportes. Sollte Janoš tatsächlich nicht weitertransportiert werden, stellt sich natürlich die Frage, was mit ihm passiert. Doch zu dieser Frage kommt es gar nicht, denn Spediteur und Käufer entscheiden wie erwartet: Janoš wird schließlich wieder auf den LKW geladen und zum Schlachthaus transportiert.

Wir wissen nicht, was das Beste für Janoš in dieser Situation gewesen wäre, ob er lieber alleine in dem Stall geblieben wäre, um den Strapazen des Transportes zu entgehen oder ob er doch lieber den Transport mit seiner Herde trotz seiner Lahmheit angetreten hätte. Er hatte nicht die Wahl, zu entscheiden. Was wir aber durch Janoš erneut bestätigt wissen, ist, dass es im Falle eines verletzten oder kranken Tieres keinerlei Möglichkeiten an der türkischen Grenze gibt, geeignete Notfall-Maßnahmen und eine entsprechende medizinische Versorgung des Tieres zu sicherzustellen.

Wir werden entsprechende Beschwerden bei den zuständigen Behörden einreichen und uns weiterhin auf EU-Ebene stark machen für die Abschaffung der Langstrecken-Tiertransporte.