Tiertransporte in die Türkei: Holstein-Färsen aus Tschechien – durch die Hitze bis nach Zentralanatolien

„Warum tut ihr euch das freiwillig an?“ Das sagt die Geste eines Fahrers, als er uns erneut aus dem Auto aussteigen sieht. Hier in Zentralanatolien, mehr als 900 km von der bulgarisch-türkischen Grenze entfernt. Von dort haben wir die Tiere über 15 Stunden bis zu ihrem Zielort begleitet – einer Farm in der Provinz von Aksaray.

Für manche mögen unsere Begleitfahrten vielleicht verrückt erscheinen – und natürlich, sie sind auch alles andere als einfach. Doch bei jeder Begleitfahrt fragen wir uns, um wie viel anstrengender und belastender es für die Tiere auf den Transporten sein muss? Und wenn wir nicht bei den Tieren sind, wer berichtet dann über ihr Schicksal? Wie z.B. über das von Marit und den 65 anderen schwangeren jungen Kühen.

Die Holstein-Färsen kommen aus Tschechien und werden auf zwei LKW transportiert. In Bulgarien, kurz vor der Grenze, wurden sie das letzte Mal für ihre Ruhepause entladen, bevor sie nachts irgendwann in die Grenze gefahren sind. Wir warten ab dem nächsten Morgen auf sie auf der türkischen Seite, da die türkischen Grenzveterinäre nachts nicht arbeiten. Mittlerweile sind die Außentemperaturen auf 34 °C im Schatten gestiegen.

Am späten Nachmittag kommen die beiden Transporter endlich aus der Grenze gefahren und müssen nochmal für zwei Stunden auf Papiere warten. Die Sonne brennt auf die Lkw und es gibt keine Schattenplätze. Wir messen über 38 °C im Inneren der Lkw – die Tiere sind die ganze Zeit über an Bord. Laut Gesetz dürfen die Temperaturen für die Tiere auf solch langen Transporten 30 °C nicht übersteigen.

Marit steht dicht gedrängt neben ihren Artgenossinnen. Ihre warmen Körper berühren sich. Gerade bei dieser Hitze wäre es umso wichtiger, dass die Tiere ausreichend Platz um sich herum haben. Hebt Marit ihren Kopf, stößt sie gegen die Decke. Auch das behindert eine gute Luftzirkulation. Dazu haben die werdenden Mütter bei weitem nicht genug Platz, um sich gleichzeitig hinzulegen und auszuruhen. Im hinteren Abteil werden jeweils sogar acht Färsen transportiert. Doch die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestplatzvorgaben wurden höchstwahrscheinlich eingehalten. Dieser Fall zeigt einmal mehr, wie überfällig eine Überarbeitung der Platzvorgaben in der EU-Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport ist!

Wir werden bei den zuständigen Behörden umfassend Beschwerde einlegen und uns weiter für eine Revision der EU-Verordnung im Sinne der Tiere stark machen!

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