Tiertransporte in die Türkei: Tagelange Transport-Odyssee für 134 ausgewachsene Bullen

Animals‘ Angels ist mit zwei Teams im Einsatz an der bulgarisch-türkischen Grenze. Am 6. Tag finden wir vier Tiertransporte mit 134 ausgewachsenen Bullen auf dem Weg in die Türkei. Die Transporter fahren allesamt abends an die Grenze – ein Unsinn, denn die türkischen Veterinäre arbeiten erst wieder ab morgens um 8 Uhr. Die Tiere müssen also die ganze Nacht auf den Fahrzeugen ausharren.

Als wir Uguray und seine Artgenossen in der Nacht vom Mittwoch zum ersten Mal sehen, leiden sie bereits sichtlich unter der Hitze. Sie atmen schwer, obwohl ‚nur‘ 28 °C herrschen. Bis sie am Donnerstagnachmittag endlich die Grenze verlassen, sind die Temperaturen auf über 35 °C geklettert.

Wir sehen erneut nach den Bullen. Der Ammoniak Geruch, der uns entgegenweht, ist kaum auszuhalten. Die Bullen leiden nun deutlich unter Hitzestress – sie atmen tief, schwer und schnell. Einige schwitzen, andere liegen in Seitenlage. Vafit hechelt mit offenem Mund nach Luft. Es ist falsch und ungerecht, solch starke, über 400kg schwere Tiere, so schwach und entwürdigt zu sehen.

Laut Papieren wäre Edirne die Endstation für die Bullen. Doch dem ist nicht so. Die Transporter parken über fünf Stunden in der prallen Sonne und warten auf weitere Anweisungen. Denn erst jetzt wird anhand der aktuellen Kapazitäten der Schlachthäuser entschieden, wohin die Bullen gebracht werden.

Wir begleiten Uguray, Vafit und die anderen. Am Freitag um 8 Uhr morgens werden sie alle in einem Stall nähe Sakarya abgeladen und erhalten Wasser und Futter. Angeblich soll damit ihr ‚Schlacht‘gewicht erhöht werden. Hier sehen wir das Ausmaß der Qualen, die sie bisher erdulden mussten – viele gehen stark lahm, andere sind völlig erschöpft. Das Horn von Recai ist abgebrochen, Blut läuft ihm über das Gesicht. Necmi ist blind, orientierungslos und sichtlich gestresst.

Die Bullen sind unruhig und fressen kaum. Und schon nach drei Stunden geht es weiter. Sie werden alle wieder auf die Transporter geladen. Camer liegt im Paddock und ist zu schwach um aufzustehen. Doch es gibt keine Gnade – mithilfe verschiedenster Techniken (darunter Essig in die Nüstern reiben) wird er zum Aufstehen ‚motiviert‘ und humpelt schließlich wieder auf den Laster. Zusammen mit dem blinden Necmi.

Ihre Transport-Odyssee endet am Freitagnachmittag in einem Schlachthaus in Sakarya. Wie lange sie dort noch ausharren mussten, wissen wir nicht. Doch wir wissen, dass diese Transporte gegen die EU-Transportverordnung verstießen, die seit einem Urteil vom europäischen Gerichtshof im Jahr 2015 auch in nicht-EU Staaten gilt. Wir reichen umfassende Beschwerden ein, mitunter in der Hoffnung, dass anderen Bullen das Schicksal von Uguray, Camer und Vafit erspart bleibt.