Transport junger ‘Lege’hennen nach Ungarn

Transport junger ‘Lege’hennen nach Ungarn

Von außen würden die meisten wahrscheinlich nicht erkennen, dass auf diesem LKW um die 9000 Tiere geladen sind. Denn auf beiden Seiten des LKW sind Plastikplanen angebracht. Sie sind komplett geschlossen und nur an den oberen Enden mit Luftschlitzen versehen. Wir warten an einer Autobahn-Raststätte in Deutschland auf Tiertransporte, als direkt neben uns der LKW parkt. Bereits ein paar Tage zuvor hatten wir genau denselben LKW von der Polizei kontrollieren lassen. Es waren ‚Lege’hennen aus Belgien geladen, die völlig überladen in alten Metallkäfigen mit Gitterboden und ohne Wasser- und Futterversorgung mehr als 12 Stunden nach Polen transportiert wurden. Genau wie ein paar Tage zuvor, sind auch heute wieder ‚Lege’hennen an Bord. Wieder sind die Tiere in die gleichen, völlig ungeeigneten, alten Metallkäfige gezwängt, in denen sie auf dem blanken Metallgitter sitzen. Dieses Mal können wir leider keine Polizeikontrolle organisieren. Es gibt keine verfügbare Streife, sodass der LKW ungehindert weiterfährt. 

Einer der Fahrer berichtet uns, dass die Tiere in den Niederlanden geladen wurden und nach Ungarn verbracht werden – es sind junge Hennen, die dort zur Eiproduktion eingesetzt werden sollen. Wir entschließen uns kurzerhand, die Tiere bis zu ihrem Zielort zu begleiten. Dabei sind wir mehr als 920 km und 13,5 Stunden mit ihnen unterwegs – von Deutschland aus geht es weiter durch Tschechien, die Slowakei bis nach Ungarn. Wie lange sie davor bereits unterwegs waren und wo der Transport tatsächlich startete, wissen wir bisher noch nicht, werden aber versuchen es im Nachgang herauszufinden. 

Bei einer Fahrerpause in Tschechien können wir einige Hennen in den hinteren, äußeren Käfigen sehen. Sie wirken erschöpft und müde. Im Käfig sind sie so eng geladen, dass sie dicht an dicht gequetscht sitzen, und keinerlei Platz haben sich zu bewegen. Federn und sogar Flügel schauen aus den Käfigen heraus. Ihr weißes Gefieder ist teilweise verschmutzt vom Kot der Hennen, die in den oberen Käfigen geladen sind. Dieser fällt ungehindert durch den Gitterboden der Käfige auf die unteren Tiere. Als wir in Tschechien auch noch in einen Stau mit Vollsperrung geraten, sind wir besorgt über die Temperaturentwicklung im Inneren des Fahrzeugs, besonders weil die LKW-Planen die Luftzufuhr zusätzlich behindern. Doch die Fahrer scheinen sich keine Gedanken darüber zu machen. Kein einziges Mal während unserer Begleitfahrt schauen sie nach den Tieren. 

Am Zielort in Ungarn können wir die Tiere nicht mehr aus der Nähe sehen. Wir fragen uns, in welchem Zustand sie dort angekommen sind und wie viele von ihnen den Transport gar nicht erst überlebt haben. Doch das will uns niemand beantworten. Was klar ist: irgendwie müssen sich diese langen Transporte wirtschaftlich noch lohnen, sonst würden sie nicht stattfinden. Es geht schließlich um Profit. Was auch klar ist: die einzelnen Hühner als Individuen spielen dabei keine Rolle. Vor Ort erzählt man uns, dass die Tiere 90 Wochen dortbleiben. Dann ist ihr viel zu kurzes Leben als Hochleistungshuhn in der Eiproduktion vorbei und sie werden ein letztes Mal zum Schlachthof transportiert. 

Auch hier werden wir Beschwerde bei den zuständigen Behörden einlegen und zumindest Sanktionen für die völlig inakzeptablen Transportbedingungen fordern.