Das Autothermometer zeigt 37°C an. Es ist Anfang September und immer noch unglaublich heiß in Südspanien. Das Team von Animals‘ Angels sucht sich einen Schattenplatz am Hafen von Cádiz. Sie wollen die Abfahrt der Fähre nach Gran Canaria dokumentieren. Auf dem Oberdeck der Fähre steht ein Transport mit Jungkühen aus Frankreich. In der prallen Sonne, und das bereits seit Stunden. Im Inneren des Fahrzeugs muss es so heiß sein wie im Auto. 30 Kühe eingesperrt in einer Alubox, die in der Sonne steht. Endlich legt die Fähre ab, auf offenem Meer werden die Temperaturen hoffentlich erträglicher sein für die Tiere. Doch da nicht für alle Tiere Platz zum Liegen ist, werden sie auch ständig die Bewegungen des Schiffs im Wellengang des rauen Atlantiks ausgleichen müssen. Fast zwei Tage lang - eine Ewigkeit, wenn man sich nicht ausruhen kann, nicht ausreichend trinken und essen kann. Unser Team fliegt nach Gran Canaria, denn die Cargofähre auf die Kanaren nimmt keine Passagiere mit. Als die Tiere auf der Insel entladen werden, waren sie mindestens 74 Stunden ununterbrochen auf dem Lkw. Sie sind sichtlich erschöpft. Die eingesunkenen Augen von Céline deuten auf Dehydration hin, Livie steht mit hängendem Kopf da, sie atmet schwer.
Die Einstreu ist nur noch ein Gemisch aus Kot und Urin. Dementsprechend dreckig sind die Tiere. Der Import von Rindern auf die Kanaren wird staatlich subventioniert. Seit Jahren weist Animals‘ Angels auf die Tierschutzverstöße hin, die auf dieser extrem langen Transportroute gang und gäbe sind. Die spanischen Behörden haben ein wenig die Schrauben angezogen und vermehrte Kontrollen auf der Strecke zugesagt. Aber in Wirklichkeit interessiert es niemanden, wie es den Tieren unterwegs ergeht und wie lange die Transporte wirklich dauern.
Allein, dass die kanarischen Bauern staatliche Förderungen dafür beziehen, immer wieder Jungkühe vom europäischen Festland zu kaufen, statt selbst in einen vernünftigen Herdenaufbau zu investieren, ist äußerst fragwürdig. Aber dann die Tiere auch noch während des Sommers bei Temperaturen von über 30 Grad zu transportieren und stundenlange Wartezeiten für die Tiere auf dem Lkw in Kauf zu nehmen, ist schlichtweg Tierquälerei. Wir reden gegen Mauern, wenn es um die Transporte auf die Kanaren geht. Es scheint klar: Das Wohl der Großbauern auf den Inseln, die über riesige Ländereien verfügen, hat Vorrang… Aber wir werden nicht aufgeben und weiter das Leid der Tiere ans Licht bringen.










