Tiertransporte bei Hitze: Unsere Einsätze in Südeuropa

Jeden Sommer leiden Millionen Tiere auf den Straßen Europas unter der Hitze in den Transporten. Animals‘ Angels startet deshalb mehrere Einsätze in Spanien, Frankreich, Italien und Griechenland, um den Tieren beizustehen und ihr Leid sichtbar zu machen. Unsere Recherchen zeigen deutlich: Die Tiere leiden unter Temperaturen bis zu 40 °C, viel zu langen Fahrten, Enge, Durst und Hunger.

Dürfen Tiere überhaupt bei Hitze über lange Strecken transportiert werden?

Ja, solange die Temperatur in den Fahrzeugen 30 °C (mit 5 °C Toleranz nach oben) nicht übersteigt. So schreibt es die EU-Verordnung EG 01/2005 für Tiertransporte über 8 Stunden vor. Die Fahrzeuge müssen zusätzlich mit Ventilatoren ausgestattet sein, die – unabhängig davon ob das Fahrzeug fährt oder steht – diese Grenzwerte sicherstellen können.

Wird die Vorschrift in der Praxis umgesetzt?

In der Regel leider nicht. Seit mehr als 20 Jahren dokumentiert Animals‘ Angels, dass die zuständigen Veterinärämter auch in den Sommermonaten Tiertransporte freigeben, wenn unterwegs mit Temperaturen über den Grenzwerten zu rechnen ist. Besonders im Süden Europas finden wir regelmäßig Tiertransporte bei Temperaturen von über 35 °C. Unsere Einsätze im Sommer 2019 zeigen, dass sich daran nichts geändert hat.

Projektleitung:
Julia Havenstein

Detaillierte Berichte von unseren Einsätzen

Animals‘ Angels kontrolliert Tiertransporte in Griechenland. Täglich sehen wir Hunderte von rumänischen Lämmern auf den...

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Auch die Grenzwerte sind problematisch für die Tiere

Denn Schweine haben auch bei den erlaubten 30 °C bereits erhebliche Probleme, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Zusätzlich produzieren die Tiere in den Fahrzeugen Wärme. Die Temperatur im Inneren ist deshalb fast immer höher als in der Umgebung.

Kommt ein Tiertransport zum Stehen, z. B. wegen Stau, einer Panne oder Wartezeiten an Grenzen und Häfen, können die Temperaturen im Fahrzeug in Kürze um mehrere Grad ansteigen. Dieser Aspekt wird bei der Planung und Freigabe der Transporte häufig übersehen. Ebenso wie die Tatsache, dass die verbauten Ventilatoren in den Lkw im besten Fall bloß die Luft austauschen, aber die Temperatur nicht wirksam senken können.

Kurz erklärt: Tiertransporte bei hohen Temperaturen

Auszug aus unserem Film 10 Years of Regulation: Interview mit Dr. Michael Marahrens vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung vom Friedrich Loeffler Institut.

Bekommen die Tiere unterwegs denn wenigstens ausreichend Wasser?

Die EU-Verordnung sieht vor, dass Tiere auf langen Transporten – je nach Tierart – in unterschiedlichen Zeitabständen mit Wasser versorgt werden müssen. Animals‘ Angels dokumentiert jedoch regelmäßig, dass die Tiere oftmals gar kein oder zu wenig Wasser bekommen. Die Ursachen sind zahlreich:

  • Die Tränken sind defekt oder ausgeschaltet.
  • Die Wassertanks sind leer.
  • Die Tiere können die Tränken nicht erreichen, z. B. weil andere Tiere ihnen den Weg versperren.
  • Die Tränken sind verbaut und deshalb nicht erreichbar.
  • Die Tiere sind nicht an die Tränken gewöhnt und erkennen sie nicht als Wasserquelle.
  • Es sind nicht genügend Tränken im Fahrzeug angebracht.
  • Die Tränken sind mit Exkrementen verschmutzt.

Kurz erklärt: Wasserversorgung bei Tiertransporten

Auszug aus unserem Film 10 Years of Regulation: Interview mit Hauptkommissar Sven Krahnert, Leiter der Verkehrspolizeiinspektion Chemnitz, und Dr. Michael Marahrens vom Institut für Tierschutz und Tierhaltung vom Friedrich Loeffler Institut.

Welche Folgen hat das für die Tiere?

Für die Tiere bedeuten Transporte bei hohen Temperaturen unweigerlich Stress und Leid. Oftmals kommen noch Durst und Dehydrierung dazu. Im schlimmsten Fall tragen die Tiere schwere gesundheitliche Schäden davon oder sterben noch während des Transports.

Was muss sich ändern?

  • Tiertransporte – egal ob über lange oder kurze Strecken – müssen in der EU in heißen Sommermonaten untersagt werden. Dazu gehören auch die Exporte in Länder außerhalb der EU.
  • Wo Transporte über kurze Strecken unvermeidbar sind, sollten diese nur in der Nacht durchgeführt werden, wenn es kühler ist.
  • Die Temperatur-Grenzwerte der EU-Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport müssen, je nach Tierart, deutlich reduziert werden.

Zahlreiche Länder haben für 2019 bereits diverse Einschränkungen oder Auflagen für die Abfertigung von Tiertransporten in den Sommermonaten angekündigt, darunter z. B. Tschechien, Österreich, Estland, Irland, Ungarn und Luxemburg. Diese Einschränkungen betreffen in der Regel jedoch meist nur bestimmte Tierarten und Routen, bspw. Transporte in die Türkei. Das ist sicherlich ein Fortschritt gegenüber den letzten Jahren, aber noch lange nicht genug!


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