Projektleitung

Unser Projekt: Tiermärkte und Tiertransporte in Tansania

Tansania ist ein stark von der Landwirtschaft geprägtes Land. Mehr als 70 Prozent der Bevölkerung leben und arbeiten im ländlichen Raum. Ein großer Teil der landwirtschaftlichen Produktion dient auch heute noch der Selbstversorgung, während die anfallenden Überschüsse verkauft werden. Die tansanische Regierung betreibt eine marktwirtschaftliche Reformpolitik. Ziel ist, die landwirtschaftliche Produktivität zu erhöhen und die Privatwirtschaft zu stärken. Diese zunehmende Industrialisierung in Tansania wirkt sich auch auf die Haltung und den Transport von "Nutz"tieren aus.

Es gibt wenig verlässliche, aktuelle Daten über die Zahl der "Nutz"tiere in Tansania. Im Jahr 2002 waren es laut der UN über 63 Millionen Tiere, davon 17.4 Millionen Rinder, 15,8 Millionen Schafe und Ziegen, 460.000 Schweine und 30,3 Millionen Geflügel.

Im ländlichen Raum leben die Tiere größtenteils im Freien. Rinder und Ziegen werden von Hirten betreut und grasen tagsüber außerhalb der Dörfer. Nachts werden sie in Ställen oder kleinen Paddocks untergebracht. Im Norden und Westen des Landes leben zahlreiche Massai-Stämme mit ihren Ziegen und Rindern. In Städten werden ebenfalls Tiere gehalten, zum Beispiel "Milch"kühe, die meist angebunden in kleinen Verschlägen stehen.

In Tansania verläuft der Kauf und Verkauf von "Nutz"tieren nach einem ähnlichen Muster wie in Europa. Im ganzen Land gibt es "Nutz"tiermärkte. Je nach Größe sind dies so genannte primäre (klein, ländlich), sekundäre (mittlere Größe, regionale Händler) und tertiäre Märkte (groß, überregional). Die Tiere werden zu Fuß zu den Märkten getrieben oder mit LKWs transportiert. Die Transporte können mehrere Tage dauern. Die größten Tiermärkte liegen in Städten und sind "Umschlagplätze", an denen Mittelsmänner und Händler ihre im ganzen Land aufgekauften Tiere an das höchstbietende Schlachthaus verkaufen.

Strenge Gesetzgebung & Infrastruktur für Langstreckentransporte

Die Tierschutzgesetzgebung in Tansania ist eng an die EU-Gesetzgebung angelehnt. In dem 2008 verabschiedeten Animal Welfare Act werden spezifische Vorgaben zur Haltung und zum Transport von Tieren gemacht. Darüber besteht seit einigen Jahren eine eigens errichtete Infrastruktur für den Handel und Transport mit "Nutz"tieren. Einige der Märkte wurden mit einfacher Infrastruktur ausgestattet.

Darüber hinaus befinden sich entlang der Bundesstraßen zahlreiche Versorgungsstationen. Tiertransporte können hier gegen eine Gebühr pausieren, ihre Tiere entladen, füttern und tränken. Allerdings bleibt es den Transportfahrern selbst überlassen, ob und inwieweit sie von den Stationen Gebrauch machen. Wir stellen fest, dass viele Transporte „durchfahren“ und weite Strecken zurücklegen, ohne die Tiere unterwegs zu versorgen.

Fehlende Umsetzung & gravierende Tierschutzprobleme

Animals‘ Angels dokumentiert die Ladung von Tiertransporten auf Märkten und die Entladung der Tiere im Schlachthaus. Dabei stellen wir fest, dass trotz strenger Gesetzgebung gravierende Tierschutzprobleme vorherrschen:

  • brutale, chaotische Ver- und Entladungen
  • fehlende Versorgung verletzter Tiere
  • an den Beinen zusammengebundene Tiere
  • Tiere die an Beinen und Fell angehoben und getragen werden
  • erschöpfte und dehydrierte Tiere
  • unzureichende bzw fehlende Infrastruktur
  • unpassende Transportfahrzeuge
  • kein Wasser und Futter
  • kein Schatten
  • brutale und mittelalterliche Schlachtmethoden

Potential für mehr Respekt

In Tansania besteht sowohl auf Regierungsebene als auch bei lokalen Tierschutzorganisationen ein wachsendes Bewusstsein für die bestehenden Tierschutzprobleme bei „Nutz“tieren und den damit verbundenen Handlungsbedarf. Animals‘ Angels hat hier die Möglichkeit, mit unserer Expertise und Erfahrung dabei zu helfen, mehr Respekt und Empathie für die Tiere zu fördern und Verbesserungen im Umgang mit ihnen zu erreichen.

Was wir in Tansania erreichen wollen:

  • Mehr Respekt und Empathie für "Nutz"tiere
  • Anwendung und Umsetzung des bestehenden Tierschutzgesetzes

Geplante Maßnahmen für 2016:

  • Weitere Einsätze unseres Teams vor Ort
  • Einsatz für weitere Verbesserungen im Umgang mit den Tieren
  • Verbreitung unserer Infotafeln und Faltblätter
  • Verstärkte Einbindung der Marktleitung und Marktveterinäre
  • Umsetzung der Transportgesetzgebung
  • Empathiebildung und Verbesserung der Tier-Mensch-Beziehung

Was wir 2015 in Tansania erreicht haben:

  • Etablierung unseres Teams vor Ort: 2 Tierärzte der lokalen Organisation Taweso
  • 15 Kontrollen des Rindermarktes Pugu, Dar Es Salaam
  • 1 Kontrolle des Ziegenmarktes Pugu, Dar Es Salaam
  • Zahlreiche Meetings mit der Marktleitung
  • Erste Verbesserungen im Umgang mit den Tieren
  • Erstellung von Informationsmaterial (Infotafeln, Faltblätter)

Bildergalerie Projekt Tansania

Animals' Angels Projektleiterin Sophie bespricht mit den Mitarbeitern von Taweso die Probleme auf dem Rindermarkt in Pugu
Animals' Angels Projektleiterin Sophie bei einem Treffen mit dem Marktdirektor und den Mitarbeitern des Rindermarktes in Dodoma, Tansania
Animals' Angels Projektleiterin Sophie begeht gemeinsam mit dem Markttierarzt den Rindermarkt in Pugu, Tansania
Tiertransport auf dem Rindermarkt Pugu, Tansania
Rinder und Händler auf dem Tiermarkt Pugu, Tansania
Ein Rind ist bei der Verladung von der Rampe gestürzt. Rindermarkt Pugu, Tansania
Ein Rind springt während der Verladung seitlich von der Rampe. Rindermarkt Pugu, Tansania
Beim Treiben schlagen mehrere Männer mit schweren Stöcken auf die Tiere ein. Rindermarkt Pugu, Tansania
Ein Rind hat sich während der Verladung mit den Beinen in einer Absperrung verfangen. Rindermarkt Pugu, Tansania
Eines der Rinder in einem dicht beladenen Transporter liegt am Boden und kann nicht mehr aufstehen. Rindermarkt Pugu, Tansania
Tiertransport auf dem Rindermarkt Pugu, Tansania
Tiertransport auf dem Rindermarkt Pugu, Tansania
Einf estliegendes Rind kann nicht mehr aufstehen und wird von mehreren Männern in Richtung Transporter gezerrt. Rindermarkt Pugu, Tansania
Das festligende Rind wird auf den Transporter gezerrt. Rindermarkt Pugu, Tansania