Projektleitung

Projektleitung: Julia Havenstein
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Detailansicht: Einsätze zu Langstreckentransporten

20.02.2019 | Pressemitteilung:


Schwangere Kühe tagelang nonstop in engen Transportern: Animals‘ Angels fordert EU-Exportstopp von lebenden Tieren

Einsatzteams von Animals‘ Angels fahren derzeit zwei Transportern mit Färsen aus Deutschland auf ihrem 6.000 Kilometer langem Weg nach Usbekistan hinterher. Die ernüchternde Erkenntnis der Tierschutzorganisation: EU-Vorschriften werden systematisch missachtet. Kontrollen gibt es keine.

M32, Disktrikt Yrgyz, Kasachstan, 20.02.2019, 16 Uhr (GMT+6), minus 10 Grad Celsius: Schneeböen fegen über die vereisten Straßen, auf denen zwei Lkw mit über 60 Färsen aus dem Kreis Emsland nur langsam vorankommen. Seit mehr als drei Tagen haben die schwangeren Kühe die Transporter nicht verlassen. Eng gedrängt liegen oder stehen sie in der Eiseskälte in der nassen Einstreu, Schnee weht durch die seitlichen Lüftungsschlitze über ihre Leiber. Die letzten Heuvorräte wurden heute Morgen aufgebraucht. Trinken können die Tiere längst nicht mehr, denn das Wassersystem des Fahrzeugs ist eingefroren.

Seit einer Woche sind sie insgesamt unterwegs, rund 1.800 Kilometer haben sie noch vor sich bis zu ihrem Zielort Fergana in Usbekistan. Drei Einsatzteams der Tierschutzorganisation Animals‘ Angels begleiten die Transporte, um zu prüfen, ob die Tierschutzvorschriften eingehalten werden, die nicht nur innerhalb der EU, sondern bis zum Zielort jedes Transports gelten.

 „Was wir hier erleben, zeigt, wie weit die Realität von dem entfernt ist, was sich die Europäische Union in Sachen Tierschutz auf die Fahnen geschrieben hat“, sagt Teamkollegin Irene Weiersmüller. Gesetzlich vorgeschrieben wäre eine 24-stündige Pause in einem Versorgungsstall alle 29 Stunden. Die von einem deutschen Amtstierarzt genehmigte Transportplanung sah das in diesem Fall auch vor. Aber offenbar hat man sich um eine realistische Planung gar nicht bemüht: „In Samara in Russland war eine 24-stündige Pause eingeplant, aber dort existiert nach Auskunft der Fahrer gar kein Stall.“ Stattdessen wurden die Transporter bei Temperaturen um minus 7 Grad Celsius und heftigem Schneesturm für 24 Stunden an einer kleinen Raststätte an der Autobahn M5 zwischen Busuluk und Orenburg einfach abgestellt. Stress und starke Erschöpfung seien den Tieren inzwischen deutlich anzusehen, so Irene Weiersmüller.

„Glücklicherweise beweisen in Deutschland viele Amtstierärzte und Landräte Mut und Herz und fertigen diese Transporte ins Ungewisse nicht mehr ab“, betont die Vorsitzende von Animals‘ Angels, Julia Havenstein. „Aber sie finden noch statt, viel zu häufig, wie unsere Recherchen zeigen.“

„Exporttransporte in Länder ohne ausreichende Tierschutzgarantien sind unverantwortlich“, so die Vorsitzende weiter. Animals‘ Angels fordert daher, dass EU-weit Transporte in Länder wie Türkei, Jemen, Libanon, Marokko, Algerien, Ägypten, Aserbaidschan, Syrien, Jordanien, Kasachstan, Kirgisistan, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan verboten werden. „Während der extrem langen Exporttransporte ist die Einhaltung der EU-Tierschutztransportvorschriften regelmäßig nicht möglich“, unterstreicht Julia Havenstein. „Und mit dem Transport hören die Probleme nicht auf: Die Schlachtmethoden in vielen Ländern sind nach deutschem und EU-Recht als tierquälerisch einzustufen.“

Animals‘ Angels-Teams werden das Schicksal der Färsen auf den beiden Transportern weiterverfolgen. Die usbekische Grenze erreichen sie je nach Wetterbedingungen voraussichtlich am 21.02.2019.