Projektleitung

Animals' Angels bei den Kühen

Animals’ Angels dokumentiert regelmäßig seit 2009 das Leben von Kühen in Anbindehaltung in zahlreichen Milchbetrieben im gesamten Bundesgebiet und trifft dabei auf systemimmanente Tierschutzprobleme.

Bei den folgenden Beispielen handelt es sich keinesfalls um Einzelfälle. Weiteres Bildmaterial kann bei Animals’ Angels angefordert werden.

Anbindehaltung: Keine Bewegungsfreiheit

Die fehlende Möglichkeit zur Fortbewegung ist Grundbestandteil jeder Anbindehaltung. Die Kühe sind am Hals fixiert;  Niederlegen und Aufstehen sind ihre einzige Möglichkeit zur Bewegung. Sozialkontakte und Körperpflege sind durch diese Haltungsform fast nicht möglich. Die Anbindehaltung widerspricht den Grundbedürfnissen und dem natürlichen Verhalten von Rindern.

Die große Mehrheit der von Animals’ Angels gesehenen Betriebe gibt an, die Tiere ab dem ersten Kalben in ganzjähriger Anbindung zu halten - komplett ohne Weidegang.

Anbindehaltung bei Milchkühen: Keine Bewegungsfreiheit

Angebunden im Stall – gefüttert mit Gras von den Weiden. Denn für den Landwirt ist es einfacher das Gras zu den Kühen zu bringen, als die empfindliche "Hochleistungs"kuh zum Gras. Bayern, Juni 2009

Anbindehaltung: Ungenügende Standlänge

In den letzten Jahrzehnten wurden "Milch"kühe auf immer höhere Leistung gezüchtet. Folge der veränderten Zuchtkriterien ist, dass die Körper der Kühe großrahmiger und somit auch länger wurden.

Die meisten Anbindehaltungen befinden sich in alten Stallgebäuden. Dort sind die Ständer viel zu kurz für die Tiere. Bei diesen noch weit verbreiteten Kurzständen sind die Kühe gezwungen mit ihren Hinterbeinen auf Gitterrost zu stehen und zu liegen. Die Folgen sind Klauen- und Zitzenerkrankungen. Darüber hinaus ist bequemes Stehen und Liegen unmöglich.

Anbindehaltung bei Milchkühen: Ungenügende Standlänge
Anbindehaltung bei Milchkühen: Ungenügende Standlänge

Links: Vorne angebunden und mit den Hinterbeinen und Euter auf dem Gitterrost. Bayern, Mai 2009. Rechts: Zu kurze Standlängen führen zu Problemen an Klauen und Gelenken. Bayern, Juni 2009.

Anbindehaltung: Keine ausreichende Liegefläche

Die Überbelegung von Ställen ist ein häufiges Problem in deutschen Milchbetrieben. In Anbindehaltungen dokumentiert Animals’ Angels immer wieder eine zu dichte Aufstallung. Die Folge ist, dass die Tiere in den Ställen nicht genug Platz haben, um sich zur selben Zeit niederlegen zu können. Hinzu kommt, dass sich die Standbreite in den alten Stallgebäuden nicht mehr für die heute üblichen, großrahmigen Kühe eignet.

Dies widerspricht den Minimalanforderungen der Tierschutzstandards für ‚Milch’kühe. Diese besagen, dass ausreichend Platz vorhanden sein muss, damit alle Tiere zur selben Zeit liegen und ruhen können.

Anbindehaltung bei Milchkühen: Keine ausreichende Liegefläche
Anbindehaltung bei Milchkühen: Keine ausreichende Liegefläche

Links: Angebunden, mit zu wenig Platz, um zur selben Zeit zu liegen und zu ruhen. Bayern, Oktober 2009. Rechts: Da die Beine der Nachbarkuh im Weg sind, kann sich diese Kuh nicht niederlegen. Die Kette hindert sie daran, sich einen anderen Liegeplatz zu suchen. Sie muss stehenbleiben. Bayern, Oktober 2009

Anbindehaltung: Ungenügende Einstreu

In keiner der von Animals’ Angels gesehenen Anbindehaltungen befand sich ausreichend Einstreu. In wenigen Ställen stehen die Tiere auf einer dünnen Schicht Sägemehl. Der Großteil der angebundenen Kühe in Deutschland steht auf nacktem Beton. In keinem einzigen Betrieb wurden Stroh oder Gummimatten verwendet.

Einstreulose Haltungen verursachen starke Schmerzen an Klauen und Gelenken. Das Stehen und Liegen auf dem harten Boden ist für die dünnhäutigen und muskelschwachen Tiere eine Qual. Die immer verkotete Haut neigt zu schmerzhaften Entzündungen und Liegewunden.

Anbindehaltung bei Milchkühen: Ungenügende Einstreu
Anbindehaltung bei Milchkühen: Ungenügende Einstreu

Links: Keine Einstreu. Ein Leben auf Beton. Bayern, Oktober 2009. Rechts: Die fehlende Einstreu kann zu geschwollenen Gelenken und Liegewunden führen. Bayern, Oktober 2009.

Anbindehaltung: Fehlende Abkalbeboxen

In zahlreichen Anbindeställen - oft in alten Gebäuden kleiner Betriebe - sind Kühe gezwungen, ihr Kalb angebunden im Stall zur Welt zu bringen. Eine Abkalbebox ist entweder nicht vorhanden oder wird nicht genutzt.

Im Anbindestall ein Kalb zur Welt zu bringen widerspricht allen natürlichen Bedürfnissen des Tieres und führt häufig zu Komplikationen bei der Geburt. Wenn sie die Wahl haben, ziehen sich Kühe für die Geburt häufig von der Herde zurück, um ungestört zu sein. Auch stehen sie während der Geburt immer wieder auf, bewegen sich und legen sich in einer anderen Position wieder nieder. Ist die Kuh angebunden, so ist dies alles nicht möglich. Da viele Ställe nicht eingestreut sind, fallen die Kälber auf dem nackten Beton und landen im Mistgraben. Die Enge zwischen den Tieren kommt erschwerend hinzu. Die angebundene Mutter kann ihr Kind weder beschnuppern noch ablecken.

Die Geburt eines Kalbes ist für eine Kuh ein physisch anstrengendes und hoch emotionales Ereignis. Vor dem Hintergrund, dass die Kühe jedes Jahr ein Kind austragen und zur Welt bringen, welches ihnen nach der Geburt sofort weggenommen wird, um Kalb und Milch profitabel zu vermarkten, muss vom Landwirt zumindest erwartet werden, das Umfeld so angenehm und die Geburt so leicht wie möglich zu gestalten.

Anbindehaltung bei Milchkühen: Fehlende Abkalbeboxen

In vielen Anbindeställen müssen die Kühe an der Kette kalben. Rheinland-Pfalz, Mai 2009.

Anbindehaltung: Unpassende Tränkesysteme

Alle von Animals’ Angels gesehenen Betriebe haben Tränkebecken, welche das artgemäße Saugtrinken der Tiere nicht ermöglichen. Die Tränkebecken sind in den meisten Betrieben nur einseitig angebracht. Je zwei Tiere müssen sich ein Trinkbecken teilen.

Laktierende Kühe haben einen extrem hohen Wasserbedarf. Gerade nach dem Melken benötigt der Körper der Tiere eine hohe Menge an Flüssigkeit. Als Faustregel gehen Großtierärzte von einem täglichen Wasserbedarf einer laktierenden Kuh von etwa 30 Litern + der jeweiligen Milchleistung aus.
Tränkvorrichtungen müssen so gestaltet und installiert sein, dass die Tiere jederzeit Zugang zu ausreichend Trinkwasser haben. Eine Vielzahl an Studien belegt, dass die in Anbindehaltungen verwendeten Tränkebecken dafür nicht geeignet sind.

Anbindehaltung bei Milchkühen: Unpassende Tränksysteme
Anbindehaltung bei Milchkühen: Unpassende Tränksysteme

Links: In Anbindehaltungen übliche Tränkebecken werden weder dem enormen Flüssigkeitsbedarf noch der Art von Rindern Wasser aufzunehmen gerecht. Bayern, Oktober 2009. Rechts: Einseitiges Tränkebecken: artgemäßes Saugtrinken unmöglich. Bayern, Mai 2009.