„Nichts im Leben geschieht ohne Grund“

Was hat ein hilfsbedürftiger Mauersegler mit einer Organisation zu tun, die sich für das Wohl von Tieren während des Transports einsetzt? Auf den ersten Blick nicht viel. Und doch handelt es sich um ein Tier in Not – und die Menschen bei Animals' Angels sind bereit zu helfen, wann immer sie können, unabhängig von der Tierart oder den Umständen.

Unsere Kollegin Andrea Baecker arbeitet seit 2022 in unserer Frankfurter Geschäftsstelle. Sie ist unter anderem für Verwaltungstätigkeiten und Fundraising, sowie für die Bearbeitung von Anrufen verantwortlich - circa alle zwei Jahre nimmt sie an einem Einsatz teil. An einem heißen Junitag beriet Andrea einen Anrufer, der sich an Animals' Angels gewandt hatte, nachdem er einen jungen, hilfsbedürftigen Mauersegler gefunden hatte. Unter dem Motto „Nichts im Leben geschieht ohne Grund“ zieht Andrea auf eindrucksvolle Weise eine Parallele zwischen dieser scheinbar ausweglosen Situation und der Arbeit von Animals' Angels. Denn auch unsere Teams dokumentieren unermüdlich, was auf den Straßen geschieht, und machen die zuständigen Behörden darauf aufmerksam – selbst wenn Veränderungen manchmal nur langsam oder kaum greifbar erscheinen. Jeder einzelne Einsatz ist ein weiterer Schritt hin zu einem besseren Schutz der Tiere.

 

Paolo ist ein Schwein, das Andrea während eines Einsatzes im Juli 2026 getroffen hat, und das sie sehr berührt hat.

Es ist Montag, ein heißer Juni-Tag im Rhein-Main-Gebiet, die Temperaturen sollen im Lauf des Tages in der Innenstadt die 40-Grad-Marke knacken. Ich bin auf dem Weg zur Arbeit in unserer Geschäftsstelle in Frankfurt am Main. Schon der Weg mit dem Fahrrad zur Bahn fühlte sich heute Morgen ungewohnt anstrengend an. Jetzt ist auch noch die Klimaanlage in der S-Bahn ausgefallen und mir ist ordentlich warm. Innerlich fluche ich und halte gleich darauf inne, als sich meine Gedanken wie selbstverständlich den Rindern, Schweinen, Hühnern und anderen ‚Nutz‘tieren zuwenden, die bei dieser Hitze transportiert werden. Was kann mir, der sich Möglichkeiten zum Abkühlen bieten, die Hitze schon ausmachen im Gegensatz zu ihnen?

In der Geschäftsstelle angekommen erreichen mich bald die ersten Anrufe des Tages. Darunter ein Mann, der einen jungen Mauersegler aufgelesen hat und sich hilfesuchend an uns wendet. Er hofft, dass wir das Tier versorgen können. Das ist natürlich nicht das Thema von Animals‘ Angels, aber wir sind nach unseren Möglichkeiten immer bereit, Menschen zu helfen, wenn es um Tierschutz geht. Ist der Anruf des Finders Zufall? Nein, nichts im Leben geschieht ohne Grund, denke ich mir: Das Thema „Mauersegler“ beschäftigte mich gerade am Wochenende. Für Aktivitäten im Freien war es mir einfach zu heiß. Stattdessen durchstöberte ich verschiedene Tierschutz-Foren im Internet. Mit großem Entsetzen las ich, dass viele jungen Mauersegler, noch nicht wirklich flügge, derzeit aufgrund der Hitze aus den Nestern flüchten und hilflos am Boden sind. Die Kapazität der fachlich versierten Auffangstationen sind erschöpft. Ich gebe dem Anrufer Tipps und Kontakte an die Hand und bestärke ihn, weiterhin zu versuchen, den Mauersegler unterzubekommen. Natürlich sprechen wir aber schließlich auch über die Arbeit von Animals‘ Angels. 

Am kommenden Tag telefonieren wir erneut. Eigentlich wollte ich eine Kollegin anrufen, wählte in der Anrufliste jedoch versehentlich seine Nummer aus. Versehentlich? Nichts im Leben geschieht ohne Grund. Der Mann erzählt mir, dass er über drei Stunden telefoniert und nach einer Auffangstation/Pflegestelle für den Mauersegler gesucht habe - erfolglos. Er ist sehr bedrückt ob der Ausweglosigkeit der Situation. Dennoch sind seine Worte: "Nichts im Leben geschieht ohne Grund. Nicht, dass ich in der Situation keine Hilfe für das Tier sein konnte. Das war eine Prüfung für mich. Nicht, dass ich mit meinem Hilfeanruf bei Ihrer Organisation gelandet bin. Ich gehe traurig, aber nicht mutlos aus dem Erlebten hervor und bin zudem sehr dankbar, dass ich von Ihrer Arbeit erfuhr."

 

Ausweglose Situationen – diese erleben oder empfinden wir bei unseren Einsätzen immer wieder und geben dennoch nicht auf. „Nichts im Leben geschieht ohne Grund“ gilt auch hier. Wir wissen: es hat einen Grund und eine Bestimmung, dass wir immer wieder auf den Straßen unterwegs sind, um für die Tiere auf den Transporten einzustehen. Nur, wenn wir hinsehen, dokumentieren, uns an die Behörden wenden, kann auf lange Sicht Verbesserung herbeigeführt werden. Das schaffen wir nur mit der Hilfe unserer Förder:innen und Spender:innen, die ermöglichen, dass unsere Einsatzteams vor Ort bei den Tieren auf den Transporten und Märkten sein und für deren Rechte einstehen können. Gemeinsam machen wir die Realität auf den Straßen sichtbar.