Von Frankreich nach Gran Canaria: Tortur für junge Kühe – Tropensturm, hoher Seegang und schlechte Organisation

Bérénice, Céleste und Sandrine sind drei der 34 jungen französischen ‚Milch’kühe, die wir in diesen Tagen nach Gran Canaria begleiten. Über fünfeinhalb Tage sind die Tiere unterwegs: Der Transport startet in Nordfrankreich. Im Norden Spaniens werden sie ein letztes Mal für eine Pause abgeladen. Danach bleiben sie ununterbrochen auf dem engen Lkw – für über 88 Stunden. Über dreieinhalb Tage.

Der Transport ist schlecht organisiert. Es gibt nur einen Fahrer, um Kosten zu sparen. Für die Tiere bedeutet das, weitere unnötige Stunden auf dem Lkw ausharren zu müssen. In Südspanien fährt der Lkw mit den Färsen am Samstagmorgen auf die Fähre Richtung Kanarische Inseln. Die Tiere bekommen jeweils eine kleine Ration Heu, Zugang zu Wasser haben sie ständig. Trotzdem schätzt der Fahrer, dass die schwangeren Tiere auf dem Transport gut 50 Kilo Gewicht verlieren werden.

Zu den mageren Futterrationen und der extremen Länge des Transports kommen verheerende Wetterverhältnisse: Auf den Kanaren tobt der Tropensturm Hermine. Ein Fahrer berichtet uns von bis zu acht Meter hohen Wellen bei der Überfahrt. Für die Tiere auf den Lkw eine enorme Anstrengung, bei so hohem Seegang das Gleichgewicht zu halten.

Der Platz auf dem Lkw entspricht dem Gesetz, doch das heißt noch lange nicht, dass sich alle Tiere hinlegen können. Als die Tiere am Montagmorgen auf Gran Canaria ankommen sind sie natürlich erschöpft. Die Stroheinstreu ist vollkommen durchnässt. Bérénice atmet schwer, sie liegt zusammengerollt da, ihr Kopf ruht schwer auf ihrer Schulter. Die Flanken von Céleste und Sandrine sind tief eingefallenen. Für sie ist kein Platz zum Liegen. Vom Hafen in Las Palmas sind es jetzt noch 60 Kilometer bis zum Zielort – einem der größten Milchbetriebe auf der Insel. Wenigstens ist das Ende dieser Tortur in Sicht.

Doch es kommt anders: Der Sturm hat die Zufahrtstrasse zum Stall zerstört. Zwei Kilometer vor dem Stall sitzt der Transport fest und kommt nicht weiter. Der Landwirt will den Fahrer überreden eine alternative Straße zu nehmen, doch der Fahrer weigert sich. Zu Recht, denn die Straße ist nur für Fahrzeuge bis 12 Tonnen zugelassen. Der Lkw wiegt 40. Zudem geht es steil bergauf und bergab, die Straße ist matschig und teilweise nicht asphaltiert. Die einzige Lösung: Der Käufer muss einen kleineren Lkw organisieren, der die ursprüngliche Zufahrtsstraße passieren kann.

Vier Stunden dauert es, bis die Käufer endlich einen kleinen Transporter aufgetrieben hat. Auf das alte, klapprige Fahrzeug passen nur vier Kühe. Neunmal fährt der Käufer zum Stall und zurück zum Lkw, bis alle Kühe schließlich im Stall abgeladen sind. Die letzten 60 Kilometer des Transports dauerten damit nochmals zehn Stunden.

Eine gute Organisation, ein zusätzlicher Fahrer, das Wetter berücksichtigen sowie weniger Tiere und mehr Futter und Einstreu an Bord hätten den Transport für die Tiere wenigstens erträglicher gemacht. 15 Jahre nach Inkrafttreten der EU-Gesetze zum Schutz der Tiere beim Transport werden die Vorschriften weiterhin konsequent umgangen und die Tiere unvermeidlich großem Stress und Leid ausgesetzt. Animals‘ Angels fordert deshalb das endgültige Aus für Langstreckentransporte!

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