Tiertransporte in die Türkei: Behörden schieben die Verantwortung von sich

Animals‘ Angels ist an der EU-Außengrenze, auf der türkischen Seite in Kapikule. Wir sind schockiert von der aktuellen Situation vor Ort: die türkische Regierung hat begonnen, das Importgeschäft von Rindern zu übernehmen. Dafür werden Tag für Tag Hunderte von Kälbern, ca. 200-250 kg schwer, von Europa in Sammelstellen in der Türkei transportiert, die erst kürzlich nahe der bulgarischen Grenze in einem Umkreis von 100 km gebaut wurden. Von diesen Ställen aus werden die Tiere sofort wieder auf türkische LKWs geladen und an Mast- und Milchbetriebe, also die tatsächlichen Zielorte, in der Türkei verteilt.  

Dadurch scheint die „Problematik“, die europäischen Gesetze zum Schutz der Tiere auf den Transporten auch in Drittländern einhalten zu müssen, gelöst: die Exporteure werden von ihrer Verantwortung, diese EU-Mindeststandards für die transportierten Tiere bis zum endgültigen Zielort in der Türkei sicherzustellen, entbunden. Leider weiß Animals’ Angels, dass die Zielorte oft am anderen Ende der Türkei liegen, d.h. mehr als 1000 km entfernt. Somit werden die Tiere jetzt von den Sammelstellen an der bulgarisch-türkischen Grenze bis zum endgültigen Zielort ohne jeglichen Mindestschutz transportiert.

Nach all unseren Dokumentationen, Berichten, Beschwerden, Diskussionen und Treffen ist das also die Antwort der zuständigen europäischen Behörden, EU-Mitgliedsstaaten und der EU-Kommission: sie schieben ihre Verantwortung den Tieren gegenüber der Türkei zu, anstatt selbst geeignete Maßnahmen zum besseren Schutz der Tiere zu ergreifen!

Während des Einsatzes von Animals’ Angels treffen wir erneut diejenigen, die am meisten unter dieser untragbaren Situation zu leiden haben, wie Irena:

Wir sehen sie das erste Mal, als sie mit ihren Weggefährtinnen in der Tiertransport-Schlange vor der bulgarischen Grenze warten muss. Sie liegt mit ihrem Kopf nach hinten gestreckt am Boden, ihre Augen weit aufgerissen und schwer atmend. Ein anderes Kalb steht über ihr. Kein Mensch hätte sie bemerkt. Wir informieren die Fahrer und sie versuchen wiederholt, sie zum Aufstehen zu bewegen, aber sie kann nicht. Wir informieren die Grenztierärzte über Irenas‘ Zustand und fordern, dass sich entsprechend um sie gekümmert wird. Nachdem wir keine Antwort erhalten, fahren wir über die Grenze und warten auf der türkischen Seite auf ihren LKW. Es dauert 4,5 Stunden, bis der LKW über die Grenze kommt. Irena ist immer noch auf dem LKW und die Fahrer erzählen uns, dass sie zwischenzeitlich gelaufen ist – in der Tat ist sie nicht mehr auf der gleichen Stelle wie zuvor, allerdings liegt sie immer noch. Wir warten mit ihr und den anderen Kälbern während der Zollabfertigung. Irena steht kein einziges Mal auf, sie wirkt erschöpft, atmet sehr schnell und hustet. Zum Glück ergibt sich die Möglichkeit zu kontrollieren, dass Irena – angekommen an der Sammelstelle – auf allen vier Beinen stehen kann, dass sie selbständig vom LKW in den Paddock der Sammelstelle, wohin sie transportiert wurden, laufen kann. Wir fragen uns, wie Irena und ihre Weggefährtinnen wohl nach so einem langen Transport damit zurechtkommen werden, dass sie wieder neu verladen und an ihren endgültigen „Bestimmungsort“ transportiert werden.  

Animals‘ Angels wird weiterhin die grauenhafte Realität der Langstreckentransporte aufdecken und die EU-Kommission daran erinnern, dass diese verboten und eben nicht noch gefördert werden, indem neue Möglichkeiten der Umgehung der EU-Transportverordnung gefunden werden!