EU-Exporte: Kühe aus Deutschland landen in Marokko – wo Tierschutz ein Fremdwort ist

Animals‘ Angels kontrolliert Tiertransporte mit Rindern aus der EU nach Marokko. Im Hafen der südspanischen Stadt Algeciras begegnen wir der Kuh Matisse aus Nordrhein-Westfalen.

Matisse schaut uns aus großen neugierigen Augen an. Sie hat einen großen weißen Stern auf der Stirn und einer Schnippe über dem Maul. Sie ist größer als die meisten der jungen Kühe, mit denen sie eingepfercht auf dem Lkw steht. Sie stößt deshalb fast mit dem Rücken an die Decke des zweistöckigen Fahrzeugs an und kann während der gesamten Fahrt ihren Kopf nicht heben.

Aus dem Lkw strömt ein strenger Ammoniakgeruch, denn die Einstreu ist schmutzig und feucht. Die Tiere werden von Deutschland nach Marokko gebracht, über 2.500 km haben sie bereits hinter sich. In Algeciras dauert es rund fünf Stunden bis alle behördlichen Genehmigungen vorliegen und der Transport nach Tanger einschiffen kann.

Während der Wartezeit werden Matisse und die anderen Tiere mit Heu und Wasser versorgt. In Tanger angekommen wird der Transport erneut stundenlangen Importprozeduren unterzogen, das Thermometer klettert auf 37 °C. Doch auf die Tiere wird keine Rücksicht genommen: Sie müssen in dem in der prallen Sonne geparkten Gefängnis ausharren.

Gegen Mitternacht erreichen sie schließlich den marokkanischen Importstall. Den Transport haben sie hinter sich – doch was passiert jetzt? Nach 15 Tagen in Quarantäne auf kahlen Betonboden werden die Kühe an Bauern im Umkreis verkauft. Wer weiß, was aus Matisse wird?

Jemand in Deutschland hat Matisse ihren Namen gegeben. Dachte man dabei an den berühmten Maler oder den preisgekrönten ‚Zucht’bullen Matisse Red? Warum hat man sie so genannt? Weil man sie als Individuum achtet und respektiert? Oder waren es pragmatische Gründe, weil man sich einen Namen besser merken kann als die Zahlen auf einer Ohrmarke? Weiß der oder die Namensgeberin, dass Matisse in ein Land kommt, in dem Tierschutz ein Fremdwort ist? Wo sich auf Tiermärkten und in Schlachthäusern grausamste Szenen abspielen?

Hätte der Bauer oder die Bäuerin aus Deutschland zugelassen, dass Matisse nach Marokko verkauft wird, wenn er oder sie einmal in einem marokkanischen Schlachthaus gewesen wäre? Oder auf einem Markt gesehen hätte, wie erwachsene Rinder am Schwanz und den Hörnern auf einen zweistöckigen Lkw gezogen werden? Oder die dunklen, trostlosen Ställe gesehen hätte, in dem ‚Mast‘bullen, an kurzen Ketten angebunden ihr Leben fristen?

Wie wichtig ist den deutschen Bauern und Rinderzüchtern der Tierschutz wirklich? Es sieht so aus, als würden sie ihre Tiere und deren Schutz schnell vergessen, wenn es um ihren finanziellen Vorteil geht.