Tiertransporte bei Hitze: Sommer, Sonne, Leidenskampf

Temperaturen bis zu 40 °C, keine Klimaanlage, viel zu lange Fahrten, Enge und Durst – jeden Sommer leiden auf den Straßen Europas Millionen Tiere unsäglich unter der Hitze auf den Transporten. Mit unseren Einsätzen bei den Tieren machen wir ihr Leid sichtbar und setzen uns bei der Politik und den Behörden für einen Stopp der Hitzetransporte ein.

Ist es überhaupt erlaubt, Tiere bei Hitze über lange Strecken zu transportieren?

Ja, solange die Temperatur in den Fahrzeugen 30 °C (mit 5 °C Toleranz nach oben) nicht übersteigt. So schreibt es die EU-Verordnung EG 01/2005 für Tiertransporte über acht Stunden vor. Die Fahrzeuge müssen zusätzlich mit Ventilatoren ausgestattet sein, die diese Grenzwerte sicherstellen können – unabhängig davon ob das Fahrzeug fährt oder steht.

Wird die EU-Verordnung denn auch umgesetzt?

In der Regel leider nicht. Seit mehr als 20 Jahren dokumentiert Animals‘ Angels, dass die zuständigen Veterinärämter auch in den Sommermonaten Tiertransporte genehmigen, wenn unterwegs mit zu hohen Temperaturen zu rechnen ist. Besonders im Süden Europas und auf den langen Export-Routen nach Asien und Afrika dokumentieren wir regelmäßig Transporte bei über 35 °C.

Kommt ein Tiertransport zum Stehen, zum Beispiel wegen Stau oder Wartezeiten, können die Temperaturen im Fahrzeug schnell um mehrere Grad ansteigen. Zusätzlich produzieren die Tiere in den Fahrzeugen Wärme. Die Temperatur im Inneren ist deshalb fast immer höher als in der Umgebung. Diese Aspekte werden bei der Planung und Freigabe der Tiertransporte häufig übersehen. Ebenso wie die Tatsache, dass die Ventilatoren in den Lkw im besten Fall bloß die Luft austauschen können, nicht aber die Temperatur wirksam senken.

Worunter leiden die Tiere auf den Hitzetransporten?

Die Tiere leiden bei hohen Temperaturen massiv unter sogenanntem Hitzestress – und das natürlich nicht erst oberhalb der gesetzlichen Grenzwerte. So haben Schweine schon bei 30 °C erhebliche Probleme, ihre Körpertemperatur zu regulieren. Unfreiwilliger, enger Kontakt zu ihren Artgenossen durch Überladung sowie niedrige Decken verschlimmern die Situation für die Tiere zusätzlich. Sie können ihre Körpertemperatur nicht mehr regulieren und überhitzen.

Oftmals bleiben die Tiere durstig und dehydrieren. Die Tränken in den Fahrzeugen sind regelmäßig:

  • leer, defekt oder ausgeschaltet,
  • nicht für die transportierte Tierart geeignet oder den Tieren fremd,
  • nicht erreichbar, weil sie verbaut sind oder andere Tiere den Weg versperren,
  • zu sporadisch platziert und deshalb hart umkämpft,
  • mit Exkrementen verschmutzt.

Im schlimmsten Fall tragen die Tiere schwere gesundheitliche Schäden davon oder sterben noch während des Transports.

Kurzfilm: Hitzestress bei Tiertransporten

Das wollen wir ändern!

  • Tiertransporte – egal ob über lange oder kurze Strecken – müssen in der gesamten EU in heißen Sommermonaten untersagt werden. Dazu gehören auch die Exporte in Länder außerhalb der EU. Nur bestimmte Routen einzuschränken reicht nicht aus!
  • Wenn Transporte über kurze Strecken unvermeidbar sind, sollten diese nur in der Nacht durchgeführt werden, wenn es kühler ist.
  • Die Grenzwerte für die Temperaturen in der EU-Verordnung zum Schutz der Tiere beim Transport müssen, je nach Tierart, deutlich nach unten korrigiert werden.

Was wir tun

Dieses Jahr starten wir eine große Kampagne gegen Tiertransporte in der Sommerhitze, unter anderem:

  • haben wir ab Mai Druck auf die europäischen Minister, Veterinärämter und Chefveterinäre sowie auf die EU-Kommission gemacht, damit sie Maßnahmen ergreifen, bevor es zu spät ist,
  • sind wir in verschiedenen Ländern bei den Tieren auf der Straße, um ihr Leid zu dokumentieren und sichtbar zu machen (Berichte weiter unten),
  • haben wir ein Infoblatt in vielen verschiedenen Sprachen für Tierärzte, Fahrer und Transportfirmen erstellt, in der wir erläutern, wie sie Hitzestress beim Transport vermeiden können,
  • haben wir ein Handbuch für Polizisten erstellt, in der wir praktische Tipps geben, wie bei hohen Temperaturen mit Tiertransporten umzugehen ist,
  • haben wir Briefe und Infomaterial an diverse Grenz- und Polizeistationen sowie Transportfirmen in der EU verschickt.

Was Sie tun können

  • Zeigen Sie Ihre Solidarität mit den Tieren auf den Hitzetransporten und erhöhen Sie den öffentlichen Druck: Machen Sie dazu ein Foto mit unserer Botschaft #StopHeatSuffering und laden Sie es unter diesem Hashtag auf Instagram, Facebook oder Twitter hoch. Halten Sie zum Beispiel unser vorbereitetes Foto auf Ihrem Handy in die Kamera.
  • Schicken Sie unseren Musterbrief an die Bundesministerin für Landwirtschaft, Julia Klöckner – entweder per E-Mail (an poststelle@bmel.bund.de) oder per Post (Adresse auf dem Musterbrief).
  • Unterstützen Sie unsere Einsätze bei den Tieren mit Ihrer Spende.

Melden Sie uns Tiertransporte

Wenn Sie beladene Tiertransporte sehen und die Außentemperatur 30 °C übersteigt, informieren Sie uns bitte.

Bitte schreiben Sie uns dafür eine WhatsApp oder SMS an +49 (0)1515 049 57 17.

Folgende Informationen benötigen wir:

  • Datum und Uhrzeit
  • Die Außentemperatur, die Ihr Auto anzeigt
  • Die transportierte Tierart
  • Das hintere Kennzeichen des Lkws
  • Die Straße, auf der der Transporter unterwegs ist
  • Die Fahrtrichtung des Lkw
  • Den genauen Ort oder die nächstgelegene Ortschaft.


Bitte achten Sie unbedingt auf Ihre Sicherheit:

  • Bringen Sie sich und andere nicht in Gefahr!
  • Bitte steigen Sie nicht aus dem Auto aus!
  • Bedienen Sie Ihr Handy nicht während der Fahrt!
  • Bitte halten Sie sich an alle Regeln, die im Zuge der Corona-Pandemie aufgestellt wurden oder noch werden!

Polizeihandbuch: Tiertransporte bei hohen Temperaturen

Infoblatt für Veterinäre & Transporteure: Nein zu Hitzestress

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